Alternative Weidenrinde: Rheuma- und Schmerztherapie - Milliarden futsch - was nun?

Wirklich dumm gelaufen: Vioxx (Wirkstoff: Rofecoxib), ein Schmerz- und Rheumamittel aus der Cox-2-Hemmer-Klasse, ist vom Hersteller MSD ab sofort vom Markt genommen. Über 100 Mio. Euro Umsatz sind allein in Deutschland futsch, bzw. 2.5 Mrd. US-Dollar in den USA. Die hierdurch abgestürzten MSD-Aktienkurse sind ebenfalls kein Anlass zur Freude. Wenigstens die von MSD behauptete Freiwilligkeit der in Rote-Hand-Briefen publizierten Rücknahme erscheint erfreulich (siehe www.vioxx.de). Doch standen in Wahrheit wohl eher die zu befürchtenden, milliardenschweren Schadensersatzprozesse in den USA bei der Entscheidung Pate.

Der Grund des Desasters: Vioxx führt bei der Langzeitanwendung gehäuft zu kardiovaskulären Zwischenfällen wie z. B. Herzinfarkte oder Schlaganfälle, so zeigen jetzt Daten einer von MSD selbst initiierten Studie [1]. Angesichts katastrophaler Hintergründe und bis heute ungeklärter Ungereimtheiten bei der Vioxx-Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA fordern Experten in den USA: Neben der Klärung durch Staatsanwälte sollte sich sogar der US-Kongress mit der Skandal-Affäre beschäftigen [2].

"The absence of evidence is not the evidence of absence"

Schweißausbrüche bekommt auch der Pharmahersteller Pfizer, der mit seinem Cox-2-Hemmer Celecoxib derzeit Rheuma- und Schmerzpatienten erfreut (und natürlich auch weitere Produzenten). Im renommierten New England Journal of Medicine wird nämlich jetzt öffentlich ausgesprochen, was Kritiker immer schon munkelten: Es gibt keinerlei wissenschaftlichen Beleg, dass die - schon seit Jahren bekannte! - kardiovaskuläre Toxizität von Rofecoxib kein Gruppeneffekt ist (auf deutsch: alle Cox-2-Hemmer könnten vermehrt z. B. zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen). Und angesichts der bereits angelaufenen Pfizer-Marketingmaschine (die retten soll, was noch zu retten ist) betonen Kritiker: Das Fehlen eines Beweises ist nicht der Beweis des Fehlens (kardiovaskulärer Nebenwirkungen). Oder im Original: "The absence of evidence is not the evidence of absence" [3]. Beide Wirkstoffe, so warnt auch das arznei-telegramm Ende September zum wiederholten Male, seien zumindest als "umstrittenes Therapieprinzip" zu bezeichnen [4]. Die Experten des arznei-telegramms raten deshalb zur Auswahl bewährter konventioneller nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR).

Schmidt & Co.: Wir sollten ihnen kein Rheuma wünschen. Oder?

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und ihre beratenden "Experten" aus universitären Elfenbeintürmen bevorzugen einseitig rezeptpflichtige Arzneimittel. Damit haben sie auch dieses Desaster im Gesundheitswesen mitzuverantworten. Was ihnen aber wirklich den Schweiß auf die Stirn treiben sollte: Der bundesdeutsche Arzneimittelmarkt hält schon lange hochwirksame nicht-steroidale Antirheumatika und Schmerzmittel aus pflanzlichen Quellen vor, die ein erfreulich besseres Nebenwirkungsprofil als andere NSARs haben. Weidenrindenextrakt ist beispielsweise fast gleich gut wirksam wie der Cox-2-Hemmer Rofecoxib [5]. Er hat nur einen entscheidenden Nachteil: Dank der Schmidtschen Umverteilungspolitik im Gesundheitswesen dürfen Weidenrindenextrakte seit Jahresbeginn nicht mehr an Kassenpatienten verordnet werden. Wie schon gesagt - außer für die bisherigen Umsätze der Cox-2-Hemmer-Hersteller (s. o.) -, dumm gelaufen...

Autor/In: Rainer H. Bubenzer, Heilpflanzen-Welt (2004)
Quellen: 1. Rödder HD: MSD nimmt Schmerzmittel Rofecoxib vom Markt. Erhöhte Rate kardiovaskulärer Ereignisse in einer Langzeit-Studie / Prävention von Kolonpolypen untersucht. Aerztezeitung, 4.10.2004 (Volltext).
2. Topol EJ: Failing the Public Health -- Rofecoxib, Merck, and the FDA. N Engl J Med. 2004 Oct 6 (Medline, Volltext).
3. Fitzgerald GA: Coxibs and Cardiovascular Disease. N Engl J Med. 2004 Oct 6. (Medline, Volltext).
4. arznei-telegramm: Konsequent - Rofecoxib (Vioxx) weltweit wegen kardiovaskulärer Toxizität vom Markt. blitz-a-t 30. September 2004.
5. März RW, Kemper F: Weidenrindenextrakt - Wirkungen und Wirksamkeit. Erkenntnisstand zu Pharmakologie, Toxikologie und Klinik. Wien Med Wochenschr. 2002;152(15-16):354-9 (Medline).