Ger­hard Mad­aus: Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heil­mit­tel. Ver­lag Georg Thie­me, Leip­zig, 1938
(Ori­gi­nal, voll­stän­dig erhal­ten) – bei eBay zu ver­kau­fenRezen­si­on 1938, Archiv der Pharmazie

Sambucus nigra – Seite 2 von 4 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Sam­bu­cus nigra (Sei­te 2 von 4)
vorherige Monographievorherige SeiteIndex  - Lehrbuch der biologischen Heilmittelnächste Seitenächste Monographie

Botanisches:

Der bis 7 m hohe Strauch oder Baum mit ris­si­ger Rin­de ist in fast ganz Euro­pa sowie in Klein­asi­en und West­si­bi­ri­en anzu­tref­fen. Die jun­gen Zwei­ge sind grün, von zahl­rei­chen grau­en Rin­den­po­ren durch­setzt. Sei­ne unpaa­rig gefie­der­ten Blät­ter sind gif­tig. Die klei­nen gelb­lich­wei­ßen Blü­ten ste­hen in fla­chen Trug­dol­den und wach­sen zu glän­zend schwarz­vio­let­ten Bee­ren aus. Blü­te­zeit: Juni und Juli. Je nach dem Stand­ort zählt man den Holun­der zu den Lithi­um-. Bari­um- (im Früh­jahr 0,0143% BaSO4 im Sten­gel), Dolomit‑, Magne­sia- oder Sal­pe­ter­pflan­zen. Er ent­hält auch Schwe­fel und Jod.

Geschichtliches und Allgemeines:

Der Holun­der, den Höf­ler“die leben­di­ge Haus­apo­the­ke des deut­schen Ein­öd­bau­ern” nennt, wird schon bei den Hip­po­kra­ti­kern im 5. und 4. Jahr­hun­dert v. Chr. als abfüh­ren­des, was­ser­trei­ben­des und gynä­ko­lo­gi­sches Mit­tel beschrie­ben. Dio­s­ku­r­i­des, der Holun­der als Akte kennt, emp­fiehlt die Wur­zel des Holun­ders und des Zwerg­ho­lun­ders in Wein gekocht für Was­ser­süch­ti­ge und gegen Schlan­gen­biß, die fri­schen Blät­ter als Umschlag gegen Ent­zün­dun­gen und die Blät­ter als Gemü­se gekocht als Schleim und Gal­le abfüh­rend. Die Anga­ben des Dio­s­ku­r­i­des decken sich unge­fähr mit denen des Pli­ni­us, der noch erwähnt, daß die Masern ver­schwin­den, wenn man die von ihnen befal­le­nen Kör­per­tei­le mit einem Holun­der­zweig peitscht. An der Anwen­dungs­art der Alten hat sich in der Volks­heil­kun­de durch das gan­ze Mit­tel­al­ter hin­durch bis in die Neu­zeit kaum etwas geän­dert. Die medi­zi­ni­schen Schrif­ten des Mit­tel­al­ters behan­deln ihn aus­führ­lich. Alber­tus Magnus behaup­tet, daß die inne­re Rin­de des Holun­ders, wenn sie von unten nach oben geschabt wer­de, ein Brech­mit­tel, wenn von oben nach unten geschabt, ein Abführ­mit­tel sei. Übri­gens fin­det man die­sen Glau­ben auch noch heu­te bei den ver­schie­de­nen Völ­kern, wie Deut­schen, Rus­sen und Rumä­nen. In Ruß­land wird der Holun­der beson­ders als schweiß­trei­ben­des Mit­tel geschätzt. Schon früh war ein aus Blü­ten des Holun­ders her­ge­stell­tes Öl bekannt, wel­ches bei Haut­krank­hei­ten Anwen­dung fand, den Leib erweich­te und gut gegen den Krampf war. Bei Gicht, Wes­pen- und Bie­nen­sti­chen, Hus­ten und Schwind­sucht soll­te die hei­len­de Wir­kung dadurch erfol­gen, daß man das Öl auf die betref­fen­den Stel­len strich. In beson­de­rer Form fand der Saft der blau­en Bee­ren Ver­wen­dung. Es zeugt von einer volks­tüm­li­chen Ansicht über sei­ne Heil­kraft bei den alten Deut­schen, wenn es bei Lohen­stein (Armi­ni­us) heißt:“Es hät­ten die opfern­den Men­schen nicht nur ihre Ant­lit­ze, son­dern gar die Bil­der ihrer Göt­ter mit Hol­d­er­saft gefärbt.” Fri­sche Holun­der­blät­ter sol­len für Insek­ten schäd­lich sein, daher wird das Dekokt von den Gärt­nern manch­mal als Insek­ten­ver­til­gungs­mit­tel ange­wandt. Auch sol­len Maul­wür­fe dadurch, daß man Blät­ter in ihre unter­ir­di­schen Gän­ge legt, ver­trie­ben werden.