
Botanisches:
Der bis 7 m hohe Strauch oder Baum mit rissiger Rinde ist in fast ganz Europa sowie in Kleinasien und Westsibirien anzutreffen. Die jungen Zweige sind grün, von zahlreichen grauen Rindenporen durchsetzt. Seine unpaarig gefiederten Blätter sind giftig. Die kleinen gelblichweißen Blüten stehen in flachen Trugdolden und wachsen zu glänzend schwarzvioletten Beeren aus. Blütezeit: Juni und Juli. Je nach dem Standort zählt man den Holunder zu den Lithium-. Barium- (im Frühjahr 0,0143% BaSO4 im Stengel), Dolomit‑, Magnesia- oder Salpeterpflanzen. Er enthält auch Schwefel und Jod.
Geschichtliches und Allgemeines:
Der Holunder, den Höfler“die lebendige Hausapotheke des deutschen Einödbauern” nennt, wird schon bei den Hippokratikern im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. als abführendes, wassertreibendes und gynäkologisches Mittel beschrieben. Dioskurides, der Holunder als Akte kennt, empfiehlt die Wurzel des Holunders und des Zwergholunders in Wein gekocht für Wassersüchtige und gegen Schlangenbiß, die frischen Blätter als Umschlag gegen Entzündungen und die Blätter als Gemüse gekocht als Schleim und Galle abführend. Die Angaben des Dioskurides decken sich ungefähr mit denen des Plinius, der noch erwähnt, daß die Masern verschwinden, wenn man die von ihnen befallenen Körperteile mit einem Holunderzweig peitscht. An der Anwendungsart der Alten hat sich in der Volksheilkunde durch das ganze Mittelalter hindurch bis in die Neuzeit kaum etwas geändert. Die medizinischen Schriften des Mittelalters behandeln ihn ausführlich. Albertus Magnus behauptet, daß die innere Rinde des Holunders, wenn sie von unten nach oben geschabt werde, ein Brechmittel, wenn von oben nach unten geschabt, ein Abführmittel sei. Übrigens findet man diesen Glauben auch noch heute bei den verschiedenen Völkern, wie Deutschen, Russen und Rumänen. In Rußland wird der Holunder besonders als schweißtreibendes Mittel geschätzt. Schon früh war ein aus Blüten des Holunders hergestelltes Öl bekannt, welches bei Hautkrankheiten Anwendung fand, den Leib erweichte und gut gegen den Krampf war. Bei Gicht, Wespen- und Bienenstichen, Husten und Schwindsucht sollte die heilende Wirkung dadurch erfolgen, daß man das Öl auf die betreffenden Stellen strich. In besonderer Form fand der Saft der blauen Beeren Verwendung. Es zeugt von einer volkstümlichen Ansicht über seine Heilkraft bei den alten Deutschen, wenn es bei Lohenstein (Arminius) heißt:“Es hätten die opfernden Menschen nicht nur ihre Antlitze, sondern gar die Bilder ihrer Götter mit Holdersaft gefärbt.” Frische Holunderblätter sollen für Insekten schädlich sein, daher wird das Dekokt von den Gärtnern manchmal als Insektenvertilgungsmittel angewandt. Auch sollen Maulwürfe dadurch, daß man Blätter in ihre unterirdischen Gänge legt, vertrieben werden.