Lehrbuch der biologischen Heilmittel

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:
Grindelia robusta wird in der Hauptsache bei Asthma bronchiale mit reichlichem, aber schwer löslichem Schleim angewandt und kann hier, selbst in ganz veralteten Fällen, groÃe Erleichterung schaffen. So berichtet Janke von einem 73jährigen Patienten, der seit 6 Jahren nur in sitzender Stellung schlafen konnte und dem schon ein dreitägiger Gebrauch von Grindelia so half, daà er wieder liegen konnte. Bis zu seinem Tode (82 Jahre) wurde ihm alle zwei Tage eine Gabe von Grindelia verabreicht.
Wichtig ist Grindelia auch bei Lungenemphysem, Bronchitis mit Rasseln auf der Brust, Dyspnoe und Erstickungsgefühl. Seltener gebraucht man das Mittel bei Asthma cardiale, doch kann auch hier eine Besserung eintreten, Heufieber mit Asthma, Pneumonie und Pleuritis.
Sehrviel wird Grindelia auch als Milzmittel bei Milztumoren, insbesondere anämischer Patienten, chronischer Leberzirrhose mit Milztumor, unerträglichen Leber- und Milzschmerzen und Ãdem bei Milzleiden genannt, auch findet es gegen Malaria Anwendung.
Weniger bekannte Indikationen sind: Nervenleiden, Herzschwäche und ‑krämpfe, allgemeine Schwäche, besonders in der Rekonvaleszenz, Rheuma und Neuralgie.
Wechselmittel bei Milzleiden sind China, Lycopodium und Antimonium arsenicosum, bei Asthma u. a. Drosera, Cuprum aceticum und Yerba santa Oligoplex.
Angewandter Pflanzenteil:
Von Grindelia robusta werden, wie Dragendorff, Potter, der British Pharm. Codex, Thoms usw. angeben, das Kraut bzw. die Stengelspitzen mit den Blütenköpfchen verwendet.
Nach dem HAB. wird das getrocknete, zur Zeit der Blüte gesammelte Kraut verwendet (§ 4).
Das “Teep” wird, solange frische, blühende Pflanzen aus einheimischen Kulturen nicht zur Verfügung stehen, ebenfalls aus dem getrockneten Kraut hergestellt.
Herba Grindeliae ist offizinell in Frankreich, England, RuÃland, Argentinien, Venezuela und Mexiko.
Dosierung:
Ãbliche Dosis:
3,75 g des Fluidextraktes alle 3–4 Stunden (Potter);
2–4 g des Fluidextraktes (Hager);
2–3 Teelöffel voll des Krautes (= 1,8–2,1 g) zum Infus täglich.
2 Tabletten der Pflanzenverreibung “Teep” viermal täglich.
(Die “Teep”-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette entspricht 0,125 g Hb. Grindeliae.)
In der Homöopathie:
dil. D 2, dreimal täglich 10 Tropfen.
Maximaldosis:
Nicht festgesetzt, doch können gröÃere Gaben Vergiftungserscheinungen hervorrufen.
Rezepte:
Bei Asthma, Lungenemphysem und Bronchitis:
Rp.:
D.s.: 2 Teelöffel voll mit 1 Glas Wasser heià ansetzen, 10 Minuten ziehen lassen und schluckweise trinken.
Bei Asthma (nach Hager):
Rp.:
Extracti Grindeliae fluidi
5
M.d.s.: Alle 2 Stunden 1 Teelöffel voll.
Rezepturpreis etwa 2.09 RM.
Fußnoten:
1 Dragendorff, Die Heilpfl. d. versch. Völker u. Zeiten, S. 662.
2 Brit. Pharm. Cod., S. 500.
3 Potter, Mat. med., S. 296.
4 Zit. bei Clarke, A Dictionary of Materia Medica, Bd. I, S. 849.
5 Heinigke, Handb. d. hom. Arzneiwirkungsl., S. 287; Stauffer, Klin. hom. Arzneimittell., S. 497
6 Rost-Klemperer, Arzneiverordnungslehre, 15. Aufl., S. 409.
7 Libby, Ph. J. a. Tr. 1888, S. 743.
8 Wehmer, Die Pflanzenstoffe, S. 1216.
9 Nach eigenen Untersuchungen; vgl. auch Kuhn u. Schäfer, Pharm. Ztg., 80, 1029, 1935.
10 Teezubereitung.
Der im Verhältnis 1 : 20 heià bereitete Tee hat einen Extraktgehalt von 0,9% gegenüber 0,8% bei kalter Zubereitung. Im Aschengehalt sind ebenfalls nur geringe Unterschiede, es wurden für den heià bereiteten Tee 0,21% und für den kalt bereiteten 0,19% gefunden. Die Peroxydasereaktion war nur in der kalten Zubereitung mit Sicherheit festzustellen und auch da nur schwach positiv. Geschmacklich erwies sich der heià bereitete Tee stärker als der kalt bereitete. Ein Ansatz 1 : 50 ist noch gut trinkbar. 1 Teelöffel voll wiegt etwa 0,9 g. Im Hinblick auf den stärkeren Geschmack des heià bereiteten Tees empfiehlt es sich, den Tee unter Verwendung von 2 Teelöffeln voll auf 1 Teeglas zu bereiten.