Lehrbuch der biologischen Heilmittel

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:
Ein wichtiger Angriffsbereich der Dulcamara ist die Haut, und zwar sind es hier hauptsächlich die juckenden Dermatopathien, Urtikaria, skrofulöse Exantheme, Ekzeme, Flechten mit Drüsenschwellungen und Flechten auf den Brüsten der Wöchnerinnen, die günstig davon beeinfluÃt werden. Als wichtigere Indikationen sind noch Asthma und Skrofulose zu nennen.
Dulcamara wird weiter als gutes Mittel bei Erkältungskrankheiten und damit in Zusammenhang stehenden Leiden, insbesondere neuralgischen und rheumatischen Beschwerden, bezeichnet. Es wird verordnet bei Blasenkatarrh und – lähmung, Blasenhalsreizung, Diarrhöen, unterdrückten Menses, Angina, Grippe, Otitis media, Ohrenfluà und ‑reiÃen und rheumatischen Lähmungen des Facialis- und Vagusgebiets. Bei Urethersteinen empfiehlt Meyer, Berlin, Dulcamara im Wechsel mit Rubia “Teep” und Eupatorium Oligoplex.
Als Wechselmittel bei Erkältungskrankheiten werden am häufigsten Aconitum und Belladonna gegeben.
Angewandter Pflanzenteil:
Matthiolus und Bock empfehlen das “Rebenholz”, das Kraut wird von ihnen nur äuÃerlich angewendet.
v. Haller kennt den Gebrauch der Wurzel.
Hufeland nennt unter einer ganzen Anzahl von Belegstellen, die nicht näher den angewandten Pflanzenteil bestimmen lassen, dreimal die Stengel (Stipites).
Geiger und Clarus verwenden die im Frühjahr vor der Blattentwicklung und im Herbst nach dem Abfallen der Blätter gesammelten, einjährigen Stengel, Stipites Dulcamarae.
Von Zörnig werden die getrockneten Triebe, Caules Dulcamarae, angeführt. Auch Thoms nennt die zwei- bis dreijährigen, im Frühjahr oder Spätherbst gesammelten, getrockneten Triebe.
Das HAB. läÃt zur Bereitung der Urtinktur die frischen, vor der Blüte gesammelten jungen SchöÃlinge mit Blättern verwenden (§ 1). Das “Teep” wird aus den frischen Stengeln hergestellt.
Stipites Dulcamarae sind offizinell in Frankreich, Mexiko, Ãsterreich, Portugal, Spanien und Venezuela.
Dosierung:
Ãbliche Dosis:
0,6–1,2 g des Extraktes täglich (Clarus);
0,5–2 g des Pulvers mehrmals täglich (Klemperer-Rost).
1 Tablette der Frischpflanzenverreibung “Teep” drei- bis sechsmal täglich.
(Die “Teep”-Zubereitung ist auf 10% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,025 g Stip. Dulcamarae.)
In der Homöopathie:
dil. D 2–4.
Maximaldosis:
Nicht festgesetzt, doch rufen gröÃere Dosen Vergiftungs-erscheinungen hervor.
Rezepte:
Bei Psoriasis und Pityriasis (nach Meyer):
Rp.:
(= BittersüÃstengel)
f. pulv. tal. dos. Nr. XX.
D.s.: Dreimal täglich 1 Pulver.
Rezepturpreis etwa 1.58 RM.
Species pectorales (nach Burow):
Rp.:
Hb. Cardui benedicti
(= Kardobenediktenkraut)
Hb. Centaurii min.
(= Tausendgüldenkraut)
Lichen. Islandici
(= Isländisch Moos)
Stip. Dulcamarae
ÄÄ 60,0
(= BittersüÃstengel)
conc. divid. in part. X.
D.s.: 1 Päckchen mit 2 l Wasser
auf 1 l einkochen und tagsüber lauwarm verbrauchen.
Rezepturpreis etwa 2.30 RM.
Bei Rheumatismus und Neuralgien (nach Hager):
Rp.:
M.d.s.: 2–3 Teelöffel voll tägl.
Rezepturpreis etwa 1.33 RM.
Bei Rheuma (nach Türk):
Rp.:
Stipit. Dulcamarae
(= BittersüÃstengel)
Lign. Guajaci
(= Pockholz)
Rad. Sarsaparillae
(= Sarsaparillewurzel)
Lign. Sassafras
(= Fenchelholz)
(= Birkenblätter)
C.m.f. species.
D.s.: 1 ½ Teelöffel auf 2 Glas
Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa 1.48 RM.
Fußnoten:
1 Paracelsus Sämtl. Werke, Bd. 3, S. 738.
2 Bock, Kreutterbuch, 1565, S. 303.
3 Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 437.
4 v. Haller, Medicin. Lexicon, S. 569.
5 Poupart, Abhandl. von den Flechten, übers. von Conrad. StraÃburg 1784, S. 162
6 Hufeland, Enchir. med., S. 76, 119, 135, 141, 142, 166, 181, 185, 234, 242, 245, 250, 314, 346; Journ., Bd. 3, S. 93, Bd. 32, VI., S. 21.
7 Becker, i. Hufelands Journal, Bd. 21, I., S. 23.
8 Ludwig, i. Hufelands Journal, Bd. 41, I., S. 118.
9 Clarus, Handb. d. spec. Arzneimittell., S. 587.
10 Garrod, Essentials of Materia medica, S. 285, 1868.
11 H. Leclerc, Précis de Phytothérapie, 1929, S. 78.
12 Barrat, Journ. de méd. vétérin. et de zootechn. 1926, Bd. 72, Nr. 9, S. 545.
13 O. GeÃner, Gift- u. Arzneipflanzen von Mitteleuropa, S. 74, Heidelberg 1931.
14 Vollmer, Arch. f. exp. Path. u. Pharm., 176, 554, 1934.
15 Poulsson, Lehrbuch der Pharmakol., S. 149, u. vgl. 8).
16 O. GeÃner, Gift- u. Arzneipflanzen von Mitteleuropa, S. 74, Heidelberg 1931.
17 Hahnemann, i. Hufelands Journal, Bd. 26 II, S. 26.
18 Stauffer, Klin. hom. Arzneimittell., S. 436; Schmidt, Lehrb. d. hom. Arzneimittell., S. 131.