Ger­hard Mad­aus: Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heil­mit­tel. Ver­lag Georg Thie­me, Leip­zig, 1938
(Ori­gi­nal, voll­stän­dig erhal­ten) – bei eBay zu ver­kau­fenRezen­si­on 1938, Archiv der Pharmazie

Anacardium occidentale – Seite 4 von 4 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Ana­car­di­um occi­den­ta­le (Sei­te 4 von 4)
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Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Ana­car­di­um occi­den­ta­le wird in der Homöopathie bei den glei­chen Indi­ka­tio­nen wie Ana­car­di­um ori­en­ta­le, nur viel sel­te­ner ange­wandt. So wur­de das Mit­tel, wie Boos­feld, Aachen, berich­tet, mit Erfolg bei Ulcus duo­deni ver­ord­net, und zwar meist als Ein­zel­mit­tel in D 4, oft aber auch mit Atro­pin. sulf. in D 4.
Gegen Der­ma­topa­thien wird es eben­falls wie A. ori­en­ta­le beson­ders dann ein­ge­setzt, wenn die­se mit hef­tigs­tem Juck­reiz und Bla­sen­bil­dung ver­bun­den sind. So hat­te Gablick gute Resul­ta­te mit dem Mit­tel bei Ery­si­pel und vesikulösem, pocken­ar­ti­gem Aus­schlag (hier bewährte sich eine Kom­bi­na­ti­on mit Tar­ta­rus eme­ti­cus). Jan­ke berich­tet über fol­gen­den Fall: Eine 32jährige Pati­en­tin, die an jucken­den Bläschen an den Armen so litt, daß sie vor Schmer­zen jam­mer­te, wur­de nach vierwöchiger Kran­ken­haus­be­hand­lung als gebes­sert ent­las­sen. Schon am ers­ten Tage nach der Ent­las­sung stell­te sich das alte Lei­den wie­der ein. Eine 14tägige Behand­lung mit Ana­car­di­um occi­den­ta­le brach­te völlige Hei­lung. Eine wei­te­re gute Indi­ka­ti­on ist Her­pes genitalis.
Die Ent­schei­dung, ob Ana­car­di­um ori­en­ta­le oder occi­den­ta­le wirk­sa­mer ist, muß noch getrof­fen wer­den. Vorläufig ist Ana­car­di­um ori­en­ta­le mehr bevorzugt.

Angewandter Pflanzenteil:

Dra­gen­dorff nennt die Früch­te als Vesi­cans, die Rin­de als Gur­gel­was­ser und gegen Aph­then, die Wur­zel als Purgans.
Die India­ner sol­len die Rin­de gegen Haut­un­rei­nig­kei­ten benutzen.
Nach Zörnig wird die Rin­de in Bra­si­li­en als Adstrin­gens und gegen Dia­be­tes benutzt. Offi­zi­nell waren im 19. Jahr­hun­dert die Früch­te als west­in­di­sche Elefantenläuse, Ana­car­dia occidentalia.
Ver­wen­dung als Haut­rei­zungs­mit­tel haben auch in der neue­ren Medi­zin immer nur die das Car­do­le­um vesi­cans ent­hal­ten­den Früch­te gefunden.
Zur Her­stel­lung des “Teep” wer­den die rei­fen Früch­te benutzt. Die Früch­te dür­fen nicht zu alt sein, da sie durch Lagern den Wert ver­lie­ren. Die Ver­wen­dung der Wur­zel und Rin­de zu Arz­nei­mit­teln müßte erst erprobt wer­den. Homöopathische Urtink­tur nach dem HAB.: Rei­fe Früch­te (§ 4).

Dosierung:

Übliche Dosis:
1 Tablet­te der Pflan­zen­ver­rei­bung “Teep” drei­mal täglich.
(Die “Teep”-Zubereitung ist auf 0,1% Pflan­zen­sub­stanz ein­ge­stellt, d. h. 1 Tablet­te enthält 0,00025 g Fruct. Ana­car­dii occidentalis.)
In der Homöopathie:
dil. D 4–6, drei­mal täglich 10 Tropfen.
Maxi­mal­do­sis:
Nicht fest­ge­setzt

Fußnoten:

1 Weh­mer, Pflan­zen­stof­fe, S. 703.