Ger­hard Mad­aus: Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heil­mit­tel. Ver­lag Georg Thie­me, Leip­zig, 1938
(Ori­gi­nal, voll­stän­dig erhal­ten) – bei eBay zu ver­kau­fenRezen­si­on 1938, Archiv der Pharmazie

Grindelia robusta – Seite 4 von 4 – Monographie Madaus

Lehr­buch der bio­lo­gi­schen Heilmittel
Mono­gra­phie Grin­de­lia robus­ta (Sei­te 4 von 4)
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Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Grin­de­lia robus­ta wird in der Haupt­sa­che bei Asth­ma bron­chia­le mit reich­li­chem, aber schwer löslichem Schleim ange­wandt und kann hier, selbst in ganz ver­al­te­ten Fällen, große Erleich­te­rung schaf­fen. So berich­tet Jan­ke von einem 73jährigen Pati­en­ten, der seit 6 Jah­ren nur in sit­zen­der Stel­lung schla­fen konn­te und dem schon ein dreitägiger Gebrauch von Grin­de­lia so half, daß er wie­der lie­gen konn­te. Bis zu sei­nem Tode (82 Jah­re) wur­de ihm alle zwei Tage eine Gabe von Grin­de­lia verabreicht.
Wich­tig ist Grin­de­lia auch bei Lun­gen­em­phy­sem, Bron­chi­tis mit Ras­seln auf der Brust, Dys­pnoe und Ersti­ckungs­ge­fühl. Sel­te­ner gebraucht man das Mit­tel bei Asth­ma car­dia­le, doch kann auch hier eine Bes­se­rung ein­tre­ten, Heu­fie­ber mit Asth­ma, Pneu­mo­nie und Pleuritis.
Sehr­viel wird Grin­de­lia auch als Milz­mit­tel bei Milz­tu­mo­ren, ins­be­son­de­re anämischer Pati­en­ten, chro­ni­scher Leber­zir­rho­se mit Milz­tu­mor, unerträglichen Leber- und Milz­schmer­zen und Ödem bei Milz­lei­den genannt, auch fin­det es gegen Mala­ria Anwendung.
Weni­ger bekann­te Indi­ka­tio­nen sind: Ner­ven­lei­den, Herzschwäche und ‑krämpfe, all­ge­mei­ne Schwäche, beson­ders in der Rekon­va­les­zenz, Rheu­ma und Neuralgie.
Wech­sel­mit­tel bei Milz­lei­den sind Chi­na, Lyco­po­di­um und Anti­mo­ni­um arse­ni­co­sum, bei Asth­ma u. a. Dro­se­ra, Cup­rum ace­ti­cum und Yer­ba san­ta Oligoplex.

Angewandter Pflanzenteil:

Von Grin­de­lia robus­ta wer­den, wie Dra­gen­dorff, Pot­ter, der Bri­tish Pharm. Codex, Thoms usw. ange­ben, das Kraut bzw. die Sten­gel­spit­zen mit den Blütenköpfchen verwendet.
Nach dem HAB. wird das getrock­ne­te, zur Zeit der Blü­te gesam­mel­te Kraut ver­wen­det (§ 4).
Das “Teep” wird, solan­ge fri­sche, blühen­de Pflan­zen aus ein­hei­mi­schen Kul­tu­ren nicht zur Ver­fü­gung ste­hen, eben­falls aus dem getrock­ne­ten Kraut hergestellt.
Her­ba Grin­de­liae ist offi­zi­nell in Frank­reich, Eng­land, Rußland, Argen­ti­ni­en, Vene­zue­la und Mexiko.

Dosierung:

Übliche Dosis:
3,75 g des Flui­dex­trak­tes alle 3–4 Stun­den (Pot­ter);
2–4 g des Flui­dex­trak­tes (Hager);
2–3 Teelöffel voll des Krau­tes (= 1,8–2,1 g) zum Infus täglich.
2 Tablet­ten der Pflan­zen­ver­rei­bung “Teep” vier­mal täglich.
(Die “Teep”-Zubereitung ist auf 50% Pflan­zen­sub­stanz ein­ge­stellt, d. h. 1 Tablet­te ent­spricht 0,125 g Hb. Grindeliae.)
In der Homöopathie:
dil. D 2, drei­mal täglich 10 Tropfen.
Maxi­mal­do­sis:
Nicht fest­ge­setzt, doch können größere Gaben Ver­gif­tungs­er­schei­nun­gen hervorrufen.

Rezepte:

Bei Asth­ma, Lun­gen­em­phy­sem und Bronchitis:
Rp.:
Hb. Grin­de­liae
25
D.s.: 2 Teelöffel voll mit 1 Glas Was­ser heiß anset­zen, 10 Minu­ten zie­hen las­sen und schluck­wei­se trin­ken10.
Bei Asth­ma (nach Hager):
Rp.:
Extra­c­ti Grin­de­liae fluidi
5
Siru­pi simplicis
95
M.d.s.: Alle 2 Stun­den 1 Teelöffel voll. 
Rezep­tur­preis etwa 2.09 RM.

Fußnoten:

1 Dra­gen­dorff, Die Heil­pfl. d. versch. Völker u. Zei­ten, S. 662.

2 Brit. Pharm. Cod., S. 500.

3 Pot­ter, Mat. med., S. 296.

4 Zit. bei Clar­ke, A Dic­tion­a­ry of Mate­ria Medi­ca, Bd. I, S. 849.

5 Hei­nig­ke, Handb. d. hom. Arz­nei­wir­kungsl., S. 287; Stauf­fer, Klin. hom. Arz­nei­mit­tell., S. 497

6 Rost-Klem­pe­rer, Arz­nei­ver­ord­nungs­leh­re, 15. Aufl., S. 409.

7 Libby, Ph. J. a. Tr. 1888, S. 743.

8 Weh­mer, Die Pflan­zen­stof­fe, S. 1216.

9 Nach eige­nen Unter­su­chun­gen; vgl. auch Kuhn u. Schäfer, Pharm. Ztg., 80, 1029, 1935.

10 Teezubereitung.

Der im Verhältnis 1 : 20 heiß berei­te­te Tee hat einen Extrakt­ge­halt von 0,9% gegen­Ã¼­ber 0,8% bei kal­ter Zube­rei­tung. Im Aschen­ge­halt sind eben­falls nur gerin­ge Unter­schie­de, es wur­den für den heiß berei­te­ten Tee 0,21% und für den kalt berei­te­ten 0,19% gefun­den. Die Per­oxy­da­se­re­ak­ti­on war nur in der kal­ten Zube­rei­tung mit Sicher­heit fest­zu­stel­len und auch da nur schwach posi­tiv. Geschmack­lich erwies sich der heiß berei­te­te Tee stärker als der kalt berei­te­te. Ein Ansatz 1 : 50 ist noch gut trink­bar. 1 Teelöffel voll wiegt etwa 0,9 g. Im Hin­blick auf den stärkeren Geschmack des heiß berei­te­ten Tees emp­fiehlt es sich, den Tee unter Ver­wen­dung von 2 Teelöffeln voll auf 1 Tee­glas zu bereiten.