
Wirkung
Schon von Paracelsus1 wird das Wintergrün verordnet und als “Waltmangolt” von Bock2 sehr gerühmt bei Wunden, “alten fließenden Schäden” und zum Stopfen der Bauchflüsse; “zu frischen wunden ist kaum ein kraut das größer ruhm hat zu heylen”, schreibt er.
Tabernaemontanus3 betrachtet es als “sehr dienlich den schwürigen Niefen”.
Als wirksames Wundkraut wird es bei v. Haller4 angeführt.
Abet5 stellte aus 300 g Blättern 95 g eines wäßrig-alkoholischen weichen Extraktes her, das für Tiere ungiftig war, von Menschen gut vertragen wurde und in der Dosis von 8–15 g täglich bei 10 von 11 Herzkranken mit Dyspnoe und Ödemen starke Diurese machte. Dabei stieg in einigen Fällen die tägliche Harnausscheidung bis auf 5 Liter. Herzwirkung wurde nicht beobachtet.
Potter6 zählt es als Diuretikum zur gleichen Gruppe wie Uva ursi, Pareira und Spart. scoparium, die es aber an Wirksamkeit übertreffen soll. Er läßt es daher bei Hydrops, chronischen Nierenkrankheiten und Albuminurie, bei Hämaturie, Ischurie, Dysurie und Gonorrhöe, aber auch bei Gicht und Rheuma anwenden; äußerlich soll es gegen Ulzera und Tumoren nützlich sein.
Auch die Britische Pharmakopöe7 führt Chimaphila als Diuretikum bei Herz- und Nierenaffektionen an.
Schulz8 nennt die Chimaphila ein altes Volksmittel als Diuretikum bei hydropischen Beschwerden, auch bei chronischen Blasenkatarrhen, wobei sie den Magen gar nicht belästige.
Soules9 erzielte gute Erfolge mit der Verabreichung der Droge bei Diabetes mellitus, wobei im Laufe eines Monats die Glykosurie verschwinden soll. (Vermeidung stärkehaltiger Nahrung!)
Seit langer Zeit ist Chimaphila von den amerikanischen Pflanzenärzten als einzig dastehendes Heilmittel bei Skrofulose empfohlen worden10.
Hale und Paine11 berichten über Heilung von Mammatumoren mit Besserung des Allgemeinbefindens durch Verabreichung der Tinktur (dreimal täglich 40 Tropfen).
H. Schwarz, Ebenhausen12, beobachtete nach dem Trinken einiger Tassen des Blätteraufgusses das Verschwinden einer hartnäckigen Trübung des Urins, welche jahrelang Chemikalien und Balsamika getrotzt hatte.
Durch klinische Untersuchungen wurde festgestellt, daß der Fluidextrakt diuretisch wirkt, ohne Reizerscheinungen hervorzurufen, während der konzentrierte Extrakt lokal reizt13. Zugleich mit der Diurese wird auch die Chlor- und Stickstoffausscheidung erhöht14. Es steigert den Appetit und fördert die Verdauung15. Die frisch zerquetschten Blätter wirken auf der Haut rötend und blasenziehend16. Als vorwiegend wirksame Bestandteile sind die Glykoside Ericolin und Arbutin, die Bitterstoffe Chimaphilin und Urson und schließlich Tannin anzusprechen17. Nach Geßner18 bezeichnet man eine Mischung von Arbutin, Ericolin und Urson als Chimaphilin.
Zur Wertbestimmung bedient man sich der Untersuchung auf den Gehalt an Arbutin und Hydrochinon. Es wurden für die homöopathische Tinktur 0,37% Arbutin und 0,01% Hydrochinon gefunden. Es waren also 6,6% des Glykosids gespalten19.
Verwendung in der Volksmedizin außerhalb des Deutschen Reiches (nach persönlichen Mitteilungen):
Polen: Als Diuretikum und Harndesinfiziens, bei Prostatahypertrophie.