Gesunde Zähne ein leben lang - ab dem ersten Zahn

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Gesunde Kinderzähne

Ein strahlendes Lächeln wird gerne mit gesunden, gepflegten Zähnen in Verbindung gebracht. Quasi alles spiegelt sich darin wider, so heißt es: Gesundheit, Attraktivität, Erfolg – kein Wunder also, dass in sämtlichen Werbebotschaften uns genau diese oft unnatürlich weißen, gepflegten Gebisse entgegenstrahlen. Hand aufs Herz: Haben Sie schon einmal eine Werbung mit braunen, etwas schief gewachsenen Zähnen gesehen? Wahrscheinlich nicht. Denn ungepflegte Zähne oder sogar die Ansicht fehlender Beißer können - zumindest in unserer Gesellschaft – als Zeichen einer möglichen niedrigen sozialen Stellung oder fehlender Gesundheit gewertet werden.

In Deutschland ist die allgemeine zahnmedizinische Versorgung verglichen mit anderen Ländern auf einem hohen Niveau. Allerdings obliegt die Zahngesundheit der persönlichen Verantwortung. Es besteht keine Pflicht, zweimal jährlich den Zahnarzt aufzusuchen, so wie es von Zahnärzten im Allgemeinen empfohlen wird. Auch die professionelle Zahnreinigung, die der Vorsorge dient, um das Gebiss ein Leben lang erhalten, muss aus eigener Tasche finanziert werden. In Deutschland wird von verschiedenen Seiten Einiges getan, um den Deutschen die Wichtigkeit der Zahngesundheit nahe zu bringen. Denn Zahngesundheit leistet – neben vielen anderen Faktoren natürlich - für die allgemeine Gesundheit einen besonderen Beitrag. Dr. Christel-Maria Foch, ganzheitliche Zahnmedizinerin, Mannheim, fasst ihre Berufs-Erfahrungen kurz und bündig so zusammen: „An jedem Zahn hängt ein ganzer Mensch“. Denn schließlich ist jeder Zahn mit Blutkreislauf und Nervensystem verbunden. Folglich kann sich ein kranker oder entzündeter Zahn auch auf entfernte Bereiche weit entfernt von Kiefern und Mundhöhle eines Menschen auswirken. Die ganzheitliche Zahnmedizin beschäftigt sich seit vielen Jahrzehnten mit eben mit diesen „Fernwirkungen“, die geschädigte Zähne haben können. Engagiert ganzheitlich arbeitenden Zahnärzten sind Folgeerkrankungen offensichtlich: Beispielsweise können Kopfschmerzen, Migräne, Schmerzen in Hüften wie Knien oder Organ-Erkrankungen wie zum Beispiel in der Leber durch kranke Zähne wie beispielweise Zahn-Schiefstellungen oder unphysiologisch eingesetzte Plomben, Teil- oder Vollkronen bedingt sein. Es lohnt sich also, bei langanhaltenden körperlichen Missempfindungen oder gesundheitlichen Störungen an die Zähne zu denken. Manchmal ist allerdings viel Detektivarbeit nötig, um zahnbedingten Erkrankungen auf die Spur zu kommen. Zunehmend in den Fokus der ganzheitlichen Zahnheilkunde sind auch umgekehrte Fernwirkungen geraten. Also Schäden an Zähnen, Kiefern und Kauapparat, die durch entfernte Veränderungen im Körper bedingt sind.

Im föderalistischen Deutschland kümmern sich die Länder um zahnärztliche vorbeugende Maßnahmen. So sind z.B. zahnärztliche Teams im Öffentlichen Gesundheitsdienst unterwegs. Sie besuchen Kitas oder Schulen, führen zahnärztliche Untersuchungen durch oder Aufklärungs- oder Ernährungsprogramme zur Vermeidung von Karies. Gerade mit dem Zähne Putzen in den Kindergruppen –werden gute Erfahrungen gemacht

Frühe Konditionierung

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Zweimaliges, tägliches Zähnebürsten

Ein gesundes Gebiss kann also für die Gesundheit sehr förderlich sein. Wie alle Organe und Körperfunktionen wird auch das Gebiss eines ungeborenen Menschen bereits im Mutterleib angelegt. Neben dem Verzicht auf Rauchen und Alkohol spielt für die körperlich-geistig-seelische Entwicklung des Kindes im Mutterleib auch die Ernährung eine bedeutsame Rolle. „Denn der Fötus wird über die Ernährungsgewohnheiten der Mutter konditioniert. Deshalb ist eine Ernährungsberatung in der Schwangerschaft so wichtig“, betont Foch. Eine Mutter, die in ihrer Schwangerschaft viel Süßes isst, muss sich nicht wundern, wenn ihr Kind später Zucker liebt, erklärt die Zahnärztin weiter. „Isst eine Schwangere hingegen viel Obst und Gemüse, so wird ihr Kind diese Nahrungsmittel im späteren Leben problemlos akzeptieren“, so Foch.

Gutes Kauen hält Zähne gesund

Auch für den weiteren Verlauf der Zahn- oder Allgemeingesundheit haben Eltern prägende Einflüsse: Welche Nahrung auf den Tisch kommt, bestimmt nicht nur über den Vitamin-, Mineral-, Nährstoff- und Zuckergehalt, sondern auch über die artgerechte Entwicklung des Kauapparates. Ein Aspekt, der besonders wichtig für die Zahngesundheit ist, wird gerne außer Acht gelassen: Das Kauen. Denn das sorgfältige Kauen ist nicht nur dazu da, um die Nahrung ordentlich einzuspeicheln und damit für die nachfolgende Verdauung im Magen-Darmtrakt gut vorzubereiten. Gutes Kauen ist auch notwendig, um die Zähne in ihrer knöchernen Verankerung optimal zu fixieren und dauerhaft fest zu halten. Dies hat mit der evolutionären Entwicklung der Menschen zu tun. Schließlich waren die Zähne unserer Altvorderen dazu da, die Nahrung entweder zu „zerreißen“ oder zu zerkauen, um sich diese einverleiben zu können. Das Kochen und Braten und somit die leichtere Verdauungs-Vorbereitung des Essens wurde erst viel später mit der Entdeckung des Feuers bedeutsam.

Auch wenn dies längst der Vergangenheit angehören mag, so stehen auch moderne Menschen mit evolutionären Entwicklungen in Verbindung: Feste Nahrung, die ordentlich gekaut werden muss, trainiert die Kaumuskeln, die den Knochenbau des Kiefers unterstützen. Diese Funktion dient grundsätzlich dem Zahnerhalt. Denn durch die Benutzung der Kaumuskulatur werden Wachstumsimpulse im Kieferknochen ausgelöst, welcher für den Halt der Zähne im Kieferknochen im Verlaufe des Lebens weiterhin bedeutsam ist. Und: Ordentliches Kauen hat noch weitere Funktionen. Mit dem Kauen wird die Nahrung zerkleinert und zu einem verdaubaren Nahrungsbrei umgewandelt. Der Speichel enthält wichtige Enzyme für eine der ersten Stufen der Verdauung bereits im Mund – die Kohlenhydrat-Verdauung. Das Kauen erfüllt also grundsätzliche, kaum verzichtbare Verdauungsaufgaben. Der Mundraum mit seinen zahlreichen Aufgaben ist – auch wenn dies nicht besonders appetitlich erscheint – nichts weiter als Teil des gesamten, letztlich schlauchförmigen Verdauungstraktes. Wie unsere Lippen im Übrigen auch. In Anbetracht solch lebensnotwendiger Aufgaben ist ein „Herunterspülen“ von wenig gekauter Nahrung mit einem Übermaß an Getränken nicht empfehlenswert. Denn dieses hilft weder dem Kauapparat noch seinen Verdauungsaufgaben. Naturmediziner aller Kulturen haben dies auch immer wieder betont: Ein Übermaß an Trinken beim Essen stört die Verdauung oder – wie die Alten sagten – „es löscht das Feuer der Verdauung“. Verdauungsstörungen können folglich durch eine unachtsame Nahrungsaufnahme bedingt sein. Nicht umsonst wird von manchen indischen Gurus das Kauen jeden Bissens bis zu 60 Malen gefordert. Das neuzeitliche Motto von Naturmedizinern – „Schmauen statt Kauen“ – fordert entsprechend ein intensives, längeres, bewussteres und genießendes Essen.

Selbstversuch:

Ein hartes, dunkles Stück Brot eignet sich, um einen Selbstversuch zu starten: Das Brot wird abgebissen und so lange wie möglich gekaut. Das Zählen des Kauvorgangs ist nicht notwendig, die meisten Menschen schaffen ohnehin kaum 30 Mal. Beim Kauen dieses Brotkantens soll es um die Kauerfahrung gehen. Wer sich viel Zeit lässt beim Kauen, wird bemerken, wie sich der Nahrungsbrei verändert: Er wird zum einen immer flüssiger, zum anderen werden sämtliche Geschmacksknospen der Zunge aktiviert. Ein Stück Brot wird bei längerem Kauen immer süßer. Wer dies einmal mit sämtlichen Nahrungsmittel durchprobiert, wird möglicherweise bei den Lieblingsspeisen Überraschungen erleben. Nicht umsonst kauen zum Beispiel Wein-Verkoster den Wein. Sie „umspülen“ die Geschmacksknospen immer wieder, um auf diese Weise das volle Bouquet zu erschmecken. Hinweis: Dass auf Kohlenhydraten aufbauenden Lebensmittel wie Brot, Getreide, Nudeln und anderes beim Kauen süß werden, liegt an bereits im Mund beginnenden enzymatischen Reaktionen. Diese zerlegen komplexe Kohlenhydrate zu kurzen Zuckern, die dann entsprechend süß schmecken.

„Mündigkeit“: Abschluss der Zahnentwicklung bei Heranwachsende

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Gesunde Erwachsenenzähne

Das zur Welt gekommene, zahnlose Baby wandelt sich schnell zum Kleinkind. Mit dieser rasanten Entwicklung wachsen die Zähnchen. Es sind die wundervollen, weißen Milchzähne (insgesamt 20 bis zum 3. Lebensjahr), die auszufallen, wenn die „Zahnfee“ und der erste Zahnwechsel kommt (6.-9. Lebensjahr) und dabei der nächste wichtige Entwicklungsschritt eines jeden Kindes vollzogen wird: Der Schulbeginn. Die Kinder starten ihn zahnlos im vorderen Bereich. Die Erwachsenen-Zähne, die dann als erstes durchstoßen, sehen im kindlichen Gesicht oft relativ groß aus. Jedoch relativiert sich dies bald mit den vielen Wachstumsschüben, die Kinder durchlaufen. Nach der zweiten Phase des Zahnwechsels (10.-14. Lebensjahr), also zwischen dem 17.-21. Lebensjahr ist dann das Gebiss vollständig ausgebildet. Es hat 32 Zähne (jeweils 16 oben und unten). Zum Schluss arbeiten sich die Weisheitszähne durch. Mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter, also der „Mündigkeit“, haben die Meisten ihr komplettes Gebiss.

Weisheitszähne

Die hintersten Backenzähne werden Weisheitszähne genannt. Bei manchen Menschen kommen sie bis zum 21. Lebensjahr, häufiger brauchen sie auch länger, um durchzubrechen. In den letzten 50 Jahren wurden die Weisheitszähne häufiger gezogen. Grund: Weil der menschliche Kiefer im Laufe der Entwicklungsgeschichte des Menschen kleiner geworden ist, so die oft geäußerte Begründung, hätten Weisheitszähne nicht mehr genügend Platz und müssten rechtzeitig entfernt werden. Es bestünde sonst die Gefahr, des „Zusammenschiebens“ von anderen Zähnen und deren Schädigung dadurch. Diese Vorstellungen haben sich, zumindest teilweise, geändert: Weisheitszähne gelten als „ordentliche“ Backenzähne, die als Mahlwerkzeuge gute Dienste leisten. Sie werden also nicht mehr grundsätzlich entfernt. Dank bildgebender Techniken kann ihre Lage und ihre möglichen Wachstumsrichtungen ausgemacht – und der Erhalt dieser ebenfalls wichtigen Zähne gesichert werden.

Zähne und ihre Widersacher

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Zucker in allen Formen schaden Zähnen und dem Organismus

Jeder Zahn besteht aus einer Zahnkrone, die bei gesunden Zähnen als einziges sichtbar ist und der Zahnwurzel. Der größte Bestandteil eines Zahns besteht aus Zahnbein (Dentin). Von außen ist der Zahn von der härtesten Substanz des Körpers umkleidet – dem Zahnschmelz. Im Inneren des Zahns, der Pulpa, befinden sich Blutgefäße, Nerven und Bindegewebe. Und schließlich wird die Außenseite der Zahnwurzel vom sogenannten Zahnzement und der Mundschleimhaut umschlossen. Die Zähne bilden gemeinsam mit den anderen Organen der Mundhöhle den „Mundraum“, der wie viele andere Körperregionen (Darm, Haut, Augen, Vagina usw.) von zahllosen Bakterien besiedelt ist. Die Wichtigkeit von körpereigenen Bakterien für die menschliche Gesundheit, war Naturmedizinern schon seit rund 100 Jahren bekannt, erhielt aber durch das Human Genome Projekt (HGP) welches die Genetik der Bakterienbesiedlungen des Menschen entschlüsselte, eine neue Bedeutung. Bakterien sind viel länger auf der Erde als die Menschen. Sie sind mit den Menschen zahlreiche symbiotische, also für beide Seiten äußerst vorteilhafte Dauer-Kooperationen eingegangen. Über Jahrmillionen entstand so der sogenannte „Superorganismus Mensch“. Bakterien, so stellten HGP-Wissenschaftler fest, helfen nicht nur bei der Verdauung, sondern sind bei allen lebenswichtigen Funktionen im menschlichen Körper beteiligt. So natürlich auch im Mundraum. Es sind die Bakterien, die mit Hilfe ihrer Säurebildung die diamantharten Zahnoberflächen bearbeiten. Und sie schützen den Mundraum vor anderen, krankmachenden Erregern. Kommt es zu einem Ungleichgewicht der bakteriellen Besiedlung (Dysbiose) im Mundraum, kann Karies (Zahnfäule) auftreten, besonders bei fehlerhafter oder mangelnder Zahnhygiene.

Karies: Eine Zivilisationserkrankung

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Kein Karies ist das Ziel

Karies ist eine der häufigsten Zahnerkrankungen. Sie ist eine Zivilisationserkrankung, die mit der modernen Ernährung einhergeht. Studien aus China haben beispielsweise gezeigt, dass Kinder, die sich von Fast Food ernähren anstatt dem traditionellen chinesischen Essen, viel mehr und schneller von Karies betroffen sind. Es ist vor allem die kohlenhydrat- und zuckerreiche Nahrung, die den Bakterien im Mundraum beste Wachstumsbedingungen beschert. Stärke- und zuckerhaltige Nahrungsmittel sind nämlich die Grundlage der bakteriellen Säurebildung, mit der der Zahnschmelz demineralisiert, „enthärtet“ werden kann. Erst so können die Bakterien in die Zähne eindringen und mit ihrer Zersetzung beginnen. Dieses allgemein anerkannte Konzept bestätigt die naturheilkundliche Einsicht, dass Erreger erst dann krankmachen, wenn das „Milieu“ stimmt. Also im Fall von Karies eine vor allem zuckerbedingte Dysbiose bei den Mundbakterien auftritt. 

„Neben der Ernährung ist Zahnpflege wichtig – und dass vom ersten Zahn an“, betont Foch. Bei den ersten Zähnchen wird nur eine Zahnbürste zum Putzen verwendet, keine Zahnpasta, weil die Kinder bis zum dritten Lebensjahr noch nicht ausspucken können, erklärt Foch. Es gibt auch sogenannte Putzfinger, die das Putzen der Milchzähne erleichtern. „Die Gewohnheitsbildung ist anfänglich das Wichtigste“, sagt Foch. Nach dem Frühstück und vor dem Zubettgehen werden die Zähne geputzt. Foch hebt die aktive Betreuung der Zahnpflege durch die Eltern in den ersten Jahren bis zur dritten Klasse hervor. Eltern sollten auch nachputzen, was z. B. bei kleinen Kindern nötig ist, weil sie an die hinteren Zähne nicht richtig herankommen. Und: Natürlich haben Eltern eine Vorbildfunktion. Eltern, die sich selber kaum die Zähne putzen, werden von Kindern nicht erstgenommen, wenn sie zur regelmäßigen Zahnpflege angehalten werden. Deshalb: Ein spielerisches gemeinsames Zähneputzen kann helfen, es für alle zur Gewohnheit werden zu lassen, so Foch.

Lebensversüßender Zucker?

Der allgegenwärtige Zucker in der Nahrung stellt nicht nur für die Zahngesundheit eine Herausforderung dar. Der Appell auf Zucker zu verzichten, scheint in Anbetracht der allgegenwärtig überzuckerten Fertignahrungsmittel, Kuchen, Süßigkeiten oder Soft-Getränke illusorisch. Dennoch gibt es Möglichkeiten: Selber kochen (und Backen) hat den Vorteil, dass sämtliche Zutaten und Lebensmittel kontrolliert in den Kochtopf gelangen. Das gilt auch für Baby-Nahrung, die trotz angeblich „gesunder“ Inhalte häufig einen unverhältnismäßig hohen Zuckeranteil hat, wie Verbraucherschützer immer wieder kritisieren. Ist Fertignahrung wegen Zeitersparnis bei Berufstätigkeit nötig, lohnt sich das Studium der Nahrungsmittel-Zusammensetzung und der Kauf von Waren mit geringerem Zuckeranteil. Wer sensibilisiert ist, wird staunen, wie viel Zucker sich sogar in biologisch hergestelltem „Kinder-Ketchup“ befindet. Das Selbe gilt für Getränke: Der Verzicht auf Soft- oder Fruchtsaftgetränke ist am gesündesten. Beide Getränkearten sind gesüßt, ob nun mit Fruchtzucker, Industriezucker oder Zuckerersatzstoffen. Die Alternative: Reines Wasser und zwar ohne jegliche Zusätze. Es gehört sowohl in die Babyflaschen wie auch auf den Essenstisch. Und: Sogenannte „gesunde“ Süßigkeiten gibt es nicht! In der Naturheilkunde und Schulmedizin gilt Zucker gleichermaßen als tödliches Stoffwechselgift, das für zahlreiche Zivilisationserkrankungen verantwortlich gemacht wird, wie zum Beispiel Erwachsenen-Zuckerkrankheit oder Übergewicht. Hinweis: Reiner Zucker wie er seit rund 150 Jahren in steigenden Mengen täglich verzehrt wird, war in der Vergangenheit unbekannt. Zucker war immer gebunden an natursüße Lebensmittel als Ganze. Deshalb gibt es keine Abwehrmechanismen gegen das Stoffwechselgift Zucker und wir sind im schutzlos ausgeliefert, was in gleichem Maße für alle Zuckeraustauschstoffe gilt. Einzige natürliche Möglichkeit: Verzicht auf jede unnatürliche Süße.

Vorbeugung von Mund- und Kiefer-Erkrankungen und Parodontitis

Zahnärzte empfehlen einen zweimal jährlichen Besuch in der Praxis. In erster Linie dient dies der Vorbeugung von Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen. Die Empfehlung geht auch dahin, zweimal jährlich professionelle Zahnreinigungen vornehmen zu lassen. Dies hilft sowohl bei der Karies wie Parodontitis-Vorbeugung. Parodontitis ist eine chronische Infektionskrankheit des Zahnhalteapparates. Sie verläuft oft langsam und schmerzlos. Sie beginnt mit der oberflächlichen Entzündung des Zahnfleisches. Dort, wo die Zahnbürste nicht hinkommt, entstehen sogenannte Biofilme (Plaques), die sich zu dauerhaften Zahnbelegen, Zahnstein genannt, umwandeln. Bei weiterer Ausbreitung des Zahnsteins können so genannte Zahntaschen entstehen, die sich immer tiefer entlang der nun zunehmend freiliegenden Zahnwurzel bilden können. Das angrenzende Zahnfleisch reagiert zunächst mit Rötungen, später mit chronischer Entzündung und Rückbildung, weshalb bei langjähriger Parodontitis, die Zahnhälse immer mehr zu sehen sind. Die Zähne können sich schließlich so lockern, dass sie aus dem Zahnhalteapparat des Ober- oder Unter-Kiefers herausfallen. Zur Parodontitis-Vermeidung gehört tägliches sorgfältiges Zähneputzen und die Verwendung von Zahnseide (neben häufiger Zahnarztkontrolle).

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Elektrische Kinderzahnbürste

Da die Krankenkassen bis zur 6. Klasse nur die Kosten von zweimaliger zahnärztlicher Prophylaxe bzw. Zahnarztbesuche übernehmen, liegt damit hohe Verantwortung bei den Eltern. „Wenn Eltern gleich mit dem ersten Zahn regelmäßige Zahnarztbesuche starten, werden Kinder daran gewöhnt, und es gibt später keine Dramen“, so Foch. Die spielerisch angelegte Prophylaxe bei engagierten Kinderzahnärzten hilft zudem Putzfehler zu vermeiden – Zähne streicheln, statt schrubben – und auch der Einsatz der kleinen Helferlein wie Zahnseide (ab dem 5. Lebensjahr) können gemeinsam geübt werden.

Fluorid-Verwendung: Widersprüchliche Aussagen

Als Zusatz zum Zähneputzen wird von den meisten Zahnärzten der Einsatz von fluoridhaltigen Zahnpasten empfohlen. Es gibt Zahnpasten, die unterschiedliche Fluoridmengen enthalten, so dass Kinder nicht Erwachsenenzahnpasten benutzen müssen. Das Fluorid mineralisiert bzw. härtet den Zahnschmelz. Die Idee ist, somit einen Zahnschmelz-Härter einzusetzen, der vorbeugend vor Karies schützt. In der zahnmedizinischen Fachliteratur wird Fluorid unisono angepriesen.

Naturheilkundlich orientierte Ärzte, Heilpraktiker oder Zahnärzte teilen diese Meinung nicht, weil das Fluoridierungs-Konzept – ob über Trinkwasser oder Zahncreme - falsch sei. Wenn die Lebensumgebung für Bakterien im Mundraum gestört ist, also eine Dysbiose vorliegt, sollte dies – ursächlich! – behandelt werden. Vor allem Kinderärzte wenden sich vehement gegen die Anwendung von Fluor, weil sie es zudem für ein zu starkes, für die Entwicklung des Kindes schädliches Element halten. Naturheilkundlich Arbeitende empfehlen deshalb vor allem Ernährungsumstellungen mit Zuckerverzicht und gesunder ausgewogener Nahrung zur Kariesvorbeugung. Oder sie versuchen die allgemeine Konstitution zu stärken, um die „orale Dysbiose“, Karies und Parodontitis zu verhindern. „Es muss nicht per se fluorisiert werden, denn es ist schon genügend Fluor im Essen vorhanden“, meint auch Foch. Gesunde Zähne können mit fluoridfreien Zahnpasten geputzt werden. Der Einsatz von Zahnpasten unterliegt ebenfalls Gewohnheiten: Manche haben beispielsweise erst mit starkem Pfefferminzgeschmack oder Schaumbildung das Gefühl einen sauberen, frischen Mund zu haben. Doch das Zähneputzen geht auch ohne. Ein sorgfältiges Putzen Zahn für Zahn zum Beispiel mit „Solo“-Zahnbürsten erfüllt den gleichen Zweck. Nur bei Problemen wie zum Beispiel freiliegenden Zahnhälsen oder hoher Kariesanfälligkeit, kann die Nutzung einer Fluorid-Zahnpaste sinnvoll sein, so Foch.

Zahnfüllungen nach Karies-Behandlungen

Ist jedoch Karies entstanden, muss diese entfernt werden, um den Zahn zu erhalten. In Deutschland werden bis zu 30 Prozent immer noch Amalgamfüllungen bei der zahnärztlichen Versorgung verwendet. Diese Füllungsart ist preiswert, gut haltbar und wird von den Krankenkassen von den Kosten her komplett übernommen. Amalgam ist jedoch seit langem in Verruf geraten, weil es eine Legierung aus Kupfer, Zinn, Silber, weiteren Elementen und vor allem Quecksilber ist. Der Amalgam-Anteil des Quecksilbers beträgt bis zu 50 Prozent. Kritiker versuchen seit Jahrzehnten auf die Gefahr hinzuweisen. Denn das Quecksilber kann beim Kauen abgerieben und in den Körper gelangen. Quecksilber ist ein außerordentliches giftiges Metall, welches Schädigungen im ganzen Körper hervorrufen kann. 2017 hat das Europa-Parlament eine Einschränkung des Amalgam-Einsatzes beschlossen: Schwangeren und Kindern unter 15 Jahren darf jetzt kein Amalgam mehr eingesetzt werden. Dies ist in Deutschland leider gesetzlich noch nicht umgesetzt und weiterhin leider nur eine Empfehlung! Das ist eigentlich ein Skandal. Und so bleibt Naturheilkundlern wie seit Jahrzehnten auch Erwachsenen weiter zu empfehlen, auf Amalgam zu verzichten. Denn es gibt genügend Ersatz-Materialien wie zum Beispiel das Füllmaterial Composit. Die Suche nach Füllungs-Alternativen ist individuell und hängt von den jeweiligen Gegebenheiten der erkrankten Zähne und auch dem Geldbeutel ab. Die Verwendung zum Beispiel von Inlays, also Gussfüllungen für Zähne, die von Zahnlaboren gefertigt werden, muss zumindest anteilsmäßig selbst finanziert werden. Da ganzheitliche Zahnmediziner davon ausgehen, dass jeder Eingriff (nicht nur zahnmedizinische) eine Reaktion im gesamten Organismus bewirkt, ist vor jedem Eingriff eine ausführliche Beratung durch den Zahnarzt sinnvoll, selbst bei der Kariestherapie. Bei dem Gespräch sollten auch Grunderkrankungen, Allergien oder andere Beschwerden von der Patientenseite offen angesprochen werden, um das richtige Füllungsmaterial zu finden.

Zahnmedizin im fortgeschrittenen Erwachsenenalter

Dasselbe gilt bei Beratungsgesprächen, die das Einsetzen von Implantaten, Teil-Gebissen oder Komplett-Gebissen beinhalten. Die moderne Zahnmedizin bemüht sich heute grundsätzlich um die maximale lange Erhaltung des eigenen Gebisses. Doch manchmal müssen Zähne auch gezogen und vollkommen ersetzt werden. Derartige Eingriffe in den Körper sind – um auf den Foch’schen Grundsatz „an jedem Zahn hängt ein Mensch“ – genau zu überlegen auch hinsichtlich der möglichen Folgen auf den Gesamtorganismus. Die Internationale Gesellschaft für ganzheitliche ZahnMedizin e.V. (GZM) bietet Patienten an in ihrer Umgebung ganzheitlich arbeitende Zahnärzte und / oder -Zahnlabore zu finden, um Behandlungen im ganzheitlichen Sinne zu erhalten. Ebenso können sich Patienten mit gesundheitlichen Störungen oder chronische Erkrankungen an den Verein wenden, um kompetente zahnärztliche Ansprechpartner in ihrer speziellen Situation zu bekommen.

Zahnpflege in Pflegeheimen nicht gewährleistet

Der Zahnpflege im Alter müsste wegen der Komplexität eigentlich ein eigener Artikel gewidmet werden. Denn die Zahnpflege im Alter hat zahllose Herausforderungen. Implantate und (Teil-)Gebisse beispielsweise benötigen besondere Pflege. Gründliche Beratung wie das Zeigen der Anwendungen durch Prophylaxe-Mitarbeiter kann kostensparend sein. Denn wenn Voll-Gebisse beispielsweise in die vielumworbene „Corega Tabs“-Lösung gelangen, können die Metall-Anteile des Gebisses Schaden nehmen. „Wenn Sie ein verstopftes Rohr zuhause haben, können sie auch dieses Produkt einwerfen und haben im Nu wieder einen freien Abfluss“, so erklärt Foch mit ironischem Unterton. Hinzu kommt, dass ältere Menschen manchmal nicht mehr den richtigen „Biss“ haben, um ausreichend zu kauen. Ein weiteres Problem können im Alter die zahlreichen Erkrankungen darstellen. Beispielsweise durch Medikamenten-Einnahmen kann die Zusammensetzung des Speichels verändert und damit die Mundflora (Zusammensetzung der Bakterien im Mundraum) geschädigt werden. „Besonderes sorgfältige Zahn- und Mundpflege wird im Alter nötig“, betont Foch. Doch alte Menschen können manchmal zum Beispiel wegen körperlichen Einschränkungen eine eigene Zahn- und Mundpflege nicht mehr leisten. „Die Zahnpflege bei alten Menschen ist ein heikles Thema“, sagt Foch, „das gilt insbesondere auch für Menschen in Pflegeheimen. Die Meisten sind nicht mehr in der Lage, sich selber die Zähne zu putzen. Und die Pfleger haben dafür keine Zeit“. Deshalb empfiehlt die Zahnärztin nahen Verwandten und Bekannten sich der Zahnpflege während des Besuches anzunehmen – wenn dies von den zu Pflegenden gewünscht ist. Vor- und Umsicht vorausgesetzt, werden die Betroffenen dankbar für die Mundhygiene sein. „Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-Mund- und Kieferheilkunde und die Bundeszahnärztekammer haben die Problematik erkannt und seit einigen Jahren einen besonderen Focus auf die Alterszahnheilkunde gelegt. In diesem Bereich gibt es sehr viel zu tun“.

Allgemeine Informationen

- Die Krankenkassen in Deutschland bieten unterschiedliche Service-Angebote rund um den Zahnerhalt an. Es ist durchaus lohnenswert, sich von der eigenen Krankenkasse beraten zu lassen. Um beispielsweise zumindest einen alljährlichen Zahnarzt-Besuch von den Versicherten zu erreichen, wirbt die die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) mit Bonusheften. Der alljährliche Besuch des Zahnarztes durch Erwachsene wird durch seinen Stempel dokumentiert. Ist zum Beispiel eine Zahnfüllung oder Zahnersatz nötig, führt ein lückenlos geführtes Bonusheft zu prozentualen Kostenbeteiligungen durch die AOK.

- Die Bundeszahnärztekammer bietet auf ihrer Website zahlreiche Patientenbroschüren an. Themen wie Mundhygiene, Prophylaxe bei Kindern, zahnärztliche Versorgung Zuhause (Pflegesituation) oder Tipps für chronische Krebs-Erkrankungen und die Versorgung der Zähne sind abrufbar (direkter Link)

- Das Buch „Gesund beginnt im Mund“ beschäftigt sich nicht nur mit den Zähnen, sondern der Mundhöhle und ihren Auswirkungen auf den ganzen Menschen. Das Buch ist lesenswert und gut verständlich geschrieben. Es erläutert, was Atmen, Saugen, Kauen und Schlucken für tatsächliche, relativ unbekannte Bedeutungen haben. Welche Auswirkungen Fehlfunktionen des Mundes (und Zähne) auf den Körper haben können. Auch Übungen zum Verändern und Verbessern des Mundraumes werden geliefert. Der Autor ist Lehrbeauftragter und praktizierender Kieferorthopäde, der sich der ganzheitlichen Zahnmedizin verschrieben hat.
Hubertus von Treuenfels: Gesund beginnt im Mund. Knauer Verlag, München, 2017 (direkte Bestellung amazon)

Manuelle Funktionsdiagnostik

Auf der Grenze zwischen naturheilkundlich-ganzheitlicher Zahnheilkunde und Schul-Zahnmedizin befindet sich das wichtige Diagnoseverfahren der „manuellen Funktionsdiagnostik“. Hiermit versuchen entsprechend qualifizierte Zahnärzte die Ursachen für die vielen möglichen körperlichen Folge-Symptome und Fernwirkungen einer gestörten Kaufunktion herauszufinden („kraniomandibuläre Dysfunktion“/CMD, „temporomandibuläre Dysfunktion“/TMD). Das können chronische Kopfschmerzen, Migräne, Tinnitus, Schwindel, Herzrhythmusstörungen, Brustschmerzen, Schluckbeschwerden, Schlafprobleme und anderes mehr sein. Die einfühlsame manuelle Untersuchung von Kopf und Kauapparat zeigt bei vielen Patienten rasch die eigentlichen Ursachen ihrer chronischen Beschwerden im Kauapparat. Manchmal reichen dann einfachste Korrekturen an den Zähnen oder individuelle Aufbissschienen aus, um die Beschwerden bald zu beenden. Aus naturmedizinischer Sicht beeindruckend ist die Rückkehr vieler sehr mechanistisch ausgebildeter Zahnmediziner zu der ursprünglichsten aller ärztlichen Tätigkeiten – der Be-Handlung, also zu dem Einsatz der eigenen Sinne und Hände bei der Therapie ihrer Patienten.

Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, MIH

Seitdem die Karies bei Kindern allmählich zurückgegangen ist, breitensich fast epidemisch die sogenannten „Kreidezähne“(Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, MIH) in Deutschland aus. Jedeszehnte Kind ist betroffen [1], mache Fachgesellschaften sprechen sogarvon 30 Prozent und nennen die MIH eine „neue Volkskrankheit“ [2]. Diebetroffenen Zähne verändern ihre Farbe (von kleinen cremefarbenen übergrößer werdende braune und gelb-braune bis hin zu großen  gelblich-braunen Arealen im gesamten Zahnbereich. Zudem ist der Schmelzdieser Zähne weicher und poröser. Das führt häufig zum Abplatzen derbetroffenen Areale schon früh beim Zahndurchbruch. MIH-Zähne sindoftmals stark temperatur- und berührungsempfindlich. Dadurch werdenalltägliche Aktivitäten wie Zähneputzen oder Essen und Trinkenschmerzhaft. Dies führt auch dazu, dass MIH-Zähne deutlichkariesanfälliger sind als gesunde Zähne und meist schon frühzeitigzahnärztlich behandelt werden müssen. Die Ursache ist bis heute einRätsel, auch für die meisten Naturmediziner. Angeschuldigt werdenallgegenwärtige Kunststoff-Weichmacher (Bisphenole), Antibiotika,Erkrankungen oder Vitalstoffmangel. Da es keine Vorbeugung der Seuchegibt, beschränkt sich die Behandlung derzeit auf Reparatur vonZahnschäden oder sogar das Ziehen von Zähnen. Bei Erwachsenen hilft auch die Überkronung betroffener Zähne.
Quellen: [1] Petrou MA, Giraki M, Bissar AR, Wempe C, Schäfer M, Schiffner U,Beikler T, Schulte AG, Splieth CH: Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation(MIH): Prävalenz und Therapiebedarf in Deutschland. Dtsch Zahnärztl Z.2014;69:647-50 (direkter Link).

[2] Pressekonferenz „Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin“(DGPZM): Neue Volkskrankheit: MIH hat Karies in bestimmten Altersgruppenschon überholt. Berlin, 24. Mai 2018 (direkter Link).
 

Autor/In: Marion Kaden, Heilpflanzen-Welt (2018)
Quellen: Internationale Gesellschaft für ganzheitliche ZahnMedizin e.V. (GZM)