Arzneipflanzen-Merkblätter des Kaiserlichen Gesundheitsamts: Nr. 1, Allgemeine Sammelregeln (1917)

Vorschau
Die Abbildungen der Arzneipflanzen-Merkblätter Nr. 3, 5, 7, 13 sind dem „Lehrbuch der Botanik von Strasburger-Jost-Schenck-Karsten (Verlag von Gustav Fischer in Jena)“ entnommen.

Das Sammeln von Arzneipflanzen

Hinsichtlich der Jahreszeit des Sammelns gilt im allgemeinen, daß die Ernte dann erfolgen soll, wenn die Pflanze die aufgespeicherten Stoffe zur Erzeugung von neuen Trieben, Blättern, Blüten, Früchten und Samen noch nicht wieder verbraucht hat. Man wird daher Wurzeln und Wurzelstöcke im Herbst oder Frühjahr graben. Kräuter – man versteht im arzneilichen Sinne darunter die ganze oberirdische Pflanze – sammelt man im allgemeinen, wenn die Pflanze anfängt zu blühen, Blätter meist von den blühenden Pflanzen. Von manchen Arzneipflanzen sind nur die Stengel, von andern nur die Zweigspitzen verwendbar. Blüten sollen noch in jugendlichem, aber aufgeblähtem Zustande, stark riechende zur Zeit der eben aufspringenden Knospe gesammelt werden. Früchte und Samen soll man im Zustande der Reife ernten. In den Merkblättern finden sich für jede einzelne Pflanze die entsprechenden Angaben.