2014: Frauenkräuter - Glückskräuter und Zauberpflanzen

Seit Jahrhunderten glauben Menschen an die an Heil- und Zauberkraft von Pflanzen. Sie verwenden diese als Heilkraut oder auch als Liebesmittel. Pflanzen können vor Unheil schützen und sind auch Glück bringen. Einige alte Bräuche mit Heilpflanzen sind heute noch in Bergdörfern, z. B. in Tirol, anzutreffen. Die Vorfahren der bäuerlichen Region waren immer schon stärker mit der Natur verbunden wegen des dauernden Wachsen und Vergehens der Natur. Auch sind die Bergbauern bis heute  abhängig vom Rhythmus der Jahreszeiten. Für sie und für  ihre Haustiere war und ist es lebensnotwendig über das Jahr aus der Natur Kräuter- oder Arzneipflanzen zu sammeln und zu nutzen.

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Ringelblume, Frauenmantel, Malve
© Ellen Hosbach

Immer schon fühlten sich Frauen besonders zur Welt der Kräuter hingezogen. Denken wir nur an Hildegard von Bingen und ihre Klostermedizin. Frauen waren zuständig für das Wohl der Hofbewohner und den Schutz des Hofes. Sie sammelten Wurzeln und Kräuter und stellten verschiedene Arzneien in Form von Tees und Auszügen zusammen. Oder sie kochten Latwerge (Breie) für Mensch und Tier. Die Frauen legten Schafgarben unter die Türschwelle, damit nichts Böses in das Haus getragen wurde oder hängten Haselnusszweige zum Schutz auf. Direkt am Haus oder den Stallungen befand sich auch immer ein eigens gepflanzter Holunderstrauch. Mütter trugen ihr Neugeborenes zum Holunderstrauch, um bei der Erdgöttin Holla Schutz für das Neugeborene zu erbitten. Neugeborene Mädchen wurden in einem Liebstöckel-Bad getaucht, damit sie als Erwachsene eine gute Geliebte wurden. Mit einem Holunderstock wurde früher die Länge des Sarges gemessen, wenn ein Mensch das Irdische verlassen hatte. Kräuter wurden in Amuletten um den Hals getragen, um vor Bösem zu schützen, um gesund zu bleiben oder zu werden. Bei schwerem Gewitter wurden geweihte Kräuter in das offene Feuer geworfen, um Blitzschlag abzuwenden. Auch waren Kräuter wichtige Räuchermittel, um Haus und Stall zu desinfizieren.

Die Tradition der Heilkräuter

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Gänsefingerkraut

Frauen schätzen traditionell die Heilkraft der Kräuter besonders. Sie haben über Generationen einen großen Wissensschatz über deren Wirkungen angesammelt und weitergegeben. Diese Erfahrungen und Beobachtungen bezogen sich weitgehend auf typische Frauenleiden wie Menstruations- oder Wechseljahrsbeschwerden oder zur Hilfe bei Geburten. Viele Pflanzen wie Frauenmantel, Beifuß, Gänseblümchen, Hirtentäschel, Gundelrebe, Liebstöckl, Steinklee, Engelwurz, Labkraut, Johanniskraut, Salbei, Ysop, Schafgarbe, Gänsefingerkraut, Taubnessel, verraten ihre Bedeutung oder Nutzung oftmals schon in ihrem volksheilkundlichen Namen. Die speziellen Frauenheilkräuter finden sich am Wegesrand, auf den Wiesen in den Bergen oder in Klostergärten. Die Wirkung von Heilpflanzen ist seit Jahrtausenden bekannt und erlebt zurzeit eine Renaissance.

Unter ‚Liebfrauenstroh’ wurden verschiedene Kräuter zusammengefasst, die den Gebärenden unter das Bett oder die Matratze gelegt wurden. Beruhigende und duftende Kräuter (Labkraut, Waldmeister, Duft-Mariengras, Kamille, Dost, Beifuß) zählten genauso dazu, wie sogenannte beschützende und reinigende Kräuter wie beispielsweise Thymian, Schafgarbe, Frauenmantel. Die Frauen wurden von den Pflanzengeistern während der Geburt begleitet und beschützt. Es wäre schön, den alten Brauch wieder zu beleben, und zur Geburt eines Kindes ein Liebfrauenstroh- Kräutersäckchen zu verschenken.

Nutzen der Heilpflanzen heute

Was die meisten vergessen haben: Viele Frauenheilkräuter sind in jedem Küchenschrank wie Anis, Beifuß, Fenchel, Kümmel oder Rosmarin zu finden.

Im Tee können diese Kräuter ihre Wirkung besonders gut entfalten. Auch die Forschung das Thema Frauenheilkräuter entdeckt und ihre medizinischen Wirkungen wissenschaftlich nachgewiesen: An der Universität  Würzburg gibt es eine Forschergruppe unter der Leitung von Johannes Gottfried Mayer, die sich mit der Klostermedizin beschäftigt.

Viele Menschen suchen heute sanfte Alternativen zu chemischen Arzneimitteln, die zum Teil starke Nebenwirkungen haben. Dabei sind es besonders Frauen, die auf eine natürliche und ganzheitliche Lebensweise achten – wozu Heilkräuter unbedingt gehören.

Heilpflanzen gibt es heute als sogenannte Teedrogen in der Apotheke oder im Reformhaus zu kaufen. So kann man sicher sein, dass man eine qualitativ hochwertige Ware bekommt, die arzneiliche Wirkung haben. Heilpflanzen können unterschiedlich angewendet werden: Im Tee, auf Kompressen, als Badezusatz oder in speziell zubereiteten Salben, Cremes oder in Auszügen.

Wichtiger Hinweis:

Die angegebenen Rezepturen und Empfehlungen können keinen Arztbesuch oder die individuelle Behandlung mit Heilpflanzen ersetzen. Alle Informationen und Rezepturen wurden nach bestem Gewissen und Wissen zusammengestellt.

Irrtümer sind dennoch nie auszuschließen. Bedenken Sie bitte, dass heilende Pflanzen bei gesunden und vor allem bei kranken Menschen unterschiedlich wirken und unerwünschte Nebenerscheinungen hervorrufen können.

Gespräch mit einer Tiroler Kräuterexpertin über Frauenheilkräuter

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Christa Sponring
© Ellen Hosbach

„Es wächst, wie es der Mensch braucht“,  sagt die Tiroler Bäuerin und Kräuterexpertin Christa Sponring. Im Frühjahr  beispielsweise wachsen die Wildkräuter wie Löwenzahn und Schafgarbe. Die bitteren Inhaltsstoffe sind maßgeblich für eine Frühjahrskur, weil sie  z. B. die Leber und damit den Stoffwechsel anregen. „Wilde Kräuter schenkt uns die Natur fast das ganze Jahr. Sie sind sehr wertvoll für unsere Gesundheit und für die Schönheit, denn sie enthalten viele wertvolle Vitalstoffe“, so Sponring.

Auf einem alten Bauernhof, in Weerberg, Nähe Innsbruck, in der schönen Karwendelregion gedeiht der üppige Würz- und Kräutergarten der Bäuerin. Er liegt sonnig auf 800 Meter Höhe. Von dort aus haben Besucher einen wunderschönen Blick auf das Inntal. Die Leidenschaft zu den Kräutern liegt der Bäuerin seit ihrer Kindheit im Blut. Außerdem erfüllten die Kräuter und Heilpflanzen einen wichtigen Zweck. Der Hof der Eltern befand sich in einem abgelegenen Tal und der nächste Arzt oder Apotheker war weit entfernt und nur über lange Fußwege erreichbar. Kleine Verletzungen und Unpässlichkeiten der Kinder hatte ihre Mutter daher mit den guten alten Hausmitteln aus der Natur und Küche behandelt. Das Kräuterwissen wurde ganz natürlich weitergegeben, indem die Kinder schon früh angeleitet wurden, die richtigen Kräuter zu sammeln. So lernten die Kinder auch den Einsatz von Heilpflanzen gleich mit: Arnika wurde bei kleinen Blessuren besonders geschätzt,  aber auch Wiesensalbei. Die gesammelten Kräuter wurden teilweise getrocknet als Vorrat für den Winter oder gleich für Speisen und Tees verwendet. Noch heute kann sich die Bäuerin lebhaft an den unangenehmen Geruch von Zwiebeln und Schweinefett erinnern – ein altes Mittel bei Bronchitis. Auch an die Zwiebelsäckchen aus rohen, gehackten Zwiebeln, die bei Ohrenschmerzen auf die Ohren gelegt wurden. Angenehme Erinnerungen hat Sponring hingegen an den leckeren Schlaftrunk der Mutter aus warmer Milch mit etwas Butter und Honig, das den Husten linderte und das Einschlafen ermöglichte.

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Heilpflanzen im Kräutergarten
© Ellen Hosbach

Seit einiger Zeit hat sich Sponring verstärkt mit den Heilkräutern beschäftigt, die besonders für Frauen geeignet sind: Sie empfiehlt jedem Menschen, wieder den Kontakt Heilkräutern zu suchen. „Das Gefühl dafür ist jedem angeboren. Wichtig ist es auszuloten, zu welcher Pflanzenart man sich besonders hingezogen fühlt“, sagt sie. Vielleicht sind es der Geschmack, der herrliche Duft, die Aromastoffe, das Aussehen, die Farbe und die Blüten, die einem Menschen den persönlichen Zugang zu einem Heilkraut schafft. „Oft stellt sich heraus, dass gerade diese Pflanze in dem Moment hilfreich für den Menschen ist“, so Sponring.

Venuspflanzen stärken und heilen Frauen

Als Venuspflanzen bezeichnete man alle Pflanzen, die rosa Blüten, einen süßlichen Duft, lichtgrüne Blätter mit harmonischen Formen und süße, aromatischen Früchte besaßen. In der Abendländischen Medizin galten sie als stärkend oder heilend für Frauen. Dabei ging es auch um die Wirkung auf die Weiblichkeit, auf die ‚Venusorgane’, den Genitalbereich. Viele Rosengewächse zählen zu den ‚Venuspflanzen’. Ihre Wirkung wurde später durch die Entdeckung der sogenannten Phytoöstrogene in diesen Heilpflanzen bestätigt. Zu den Rosengewächsen gehören auch einige Obst tragende Pflanzen wie die Himbeeren. Ihre Blätter werden traditionell in der Geburtshilfe eingesetzt.

Frauenmantel oder Taubecher

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Frauenmantel mit Wassertropfen
© Ellen Hosbach

„Es ist ein anmutiges Kraut, dessen Anblick das Herz erfreut“, schrieb der anthroposophische Botaniker Wilhelm Pelikan. Der zweite Name heißt ‚Taubecher' und steht mit dem Mond in Beziehung. Rein wissenschaftlich bzw. botanisch betrachtet, handelt es sich um sogenannte ‚Guttationstropfen’, die die Pflanze ‚ausschwitzt’. Die Tropfen besitzen eine schweißregulierende Wirkung und helfen z. B. bei Wechseljahrsbeschwerden. Das Blatt eines Frauenmantels ist zäh und faserig und hat bindegewebsfestigende  Eigenschaften. Japanische Untersuchungen der Gerbstoffe haben gezeigt,  dass die Pflanze eine breite Palette von pilzhemmenden, antibakteriellen bis antiviralen Wirkungen besitzt. Das blühende Kraut des Frauenmantels hilft aber bei unter anderem bei Regelschmerzen, bei Zyklusschwankungen, prämenstruellem Syndrom (PMS), Entzündungen im Scheidenbereich und Klimakteriumsbeschwerden.

Taubnessel – die ‚sanfte’ Version der Brennnessel

Die Taubnessel gilt ebenfalls als Frauenkraut. Schon ihre Form zeigt ihre Wirkung:  Sie ist rhythmisch aufgebaut, hat abwechselnd weiße Blüten und Blätter. Es ist eine zyklusregulierende und schleimhautregenerierende Pflanze. Ihre blutreinigenden, entzündungshemmenden, schmerzlindernden, schleimlösenden Eigenschaften werden sehr geschätzt.

Teezubereitung: Tee aus den Taubnesselblüten schmeckt köstlich und hilft bei vielen Frauenleiden. Ein Tee aus Schafgarbe und Taubnessel, (1:1, zum Beispiel 10 Gramm Schafgarbe, 10 Gramm Taubnessel) gemischt, hilft, wenn Tage vor dem Beginn der Periode Schmerzen auftreten. Schachtelhalm, Schafgarbe und Frauenmantel und Taubnessel zu gleichen Teilen gemischt, (Tee und Sitzbäder) sorgen für ein schnelles Abklingen von Weißfluss.

Schafgarbe im Leib, tut wohl jedem Weib!

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Scharfgarben-Korb
© Ellen Hosbach

Schafgarbe stärkt das neuro-vegetative System und die Immunabwehr. Ihre Bitterstoffe und ätherischen Öle wirken positiv auf Leber und Galle. Die Öle sind krampflösend, die Bitterstoffe haben eine stärkende Wirkung auf die Beckenmuskulatur. Daher hilft der Tee vor allem bei Menstruationsschmerzen mit Schmerzen im Beckenbereich. Das ätherische Schafgarbenöl wurde früher als ‚Liebesöl’ eingesetzt.

Schachtelhalm, auch Zinnkraut – der Dinosaurier der Kräuter

Der Schachtelhalm gilt als der Dinosaurier unter den Kräutern (Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass diese Heilpflanze schon vor 300 Millionen Jahren die Erde besiedelte). Er enthält gewebsbildungsanregende Kieselsäure, hilft nicht nur bei starker Blutung, sondern auch bei „Alterserscheinungen“ im Bereich der weiblichen Organe. Durch den hohen Anteil an Mineralien, kräftigt der Ackerschachtelhalm beispielsweise Haut und Schleimhäute, das Binde- und Stützgewebe und stärkt die Lunge.

Entspannungstee: Je 20 Gramm Majorankraut, Frauenmantelkraut, Schafgarbenblüten, Hopfenzapfen, Kamillenblüten für eine Teemischung aus der Apotheke zusammenstellen lassen. Für jeweils einen Tee wird 1 Esslöffel auf eine Tasse gegeben, mit heissem Wasser überbrüht, abgedeckt 15 Minuten stehen gelassen und warm getrunken. Der Entspannungstee kann immer dann aufgebrüht werden, wenn es Entspannung nötig erscheint.

Damiana - entspannt und befeuert die Lust

Bereits die Mayas schätzten den gelbblühenden Strauch. Er wurde als Tee getrunken, zu kultischen Zwecken geraucht und für das Liebesspiel zusammen mit halluzinogenen Kräutern verwendet. Der alte Name ‚Asthmabesen’ weist auf die entspannende Wirkung im Beckenbereich und den Bronchien hin.

Der Strauch enthält Terpene, Cineol, Pinien, Arbutin, Damianin, Tannin, Koffein. Aber auch ätherische Öle, Bitterstoffe, Harze. Die noch unentdeckten Komponenten sind sexuell stimulierend (Aphrodisiakum), und sie  verbessern die Hirn- und Beckendurchblutung. Achtung: In der Schwangerschaft sollte Damiana nicht angewendet werden!

Beifuß-Aperitif (sehr bitter)

3 Stämmchen Beifuß,1 Stämmchen Zitronenmelisse,1 Zweig Pfefferminze mit einem Liter Weißwein übergießen und einen Tag verschlossen ziehen lassen. Dann abseihen und wie Wein trinken.

Beifuß – ‚Mütterkraut, Weiberkraut’

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Beifuß - eine alte, magische Heilpflanze

Beifuß ist ebenfalls ein traditionelles Frauenkraut. Der  botanische Name des Beifuß ist von der Göttin Artemis (Artemisia vulgaris) abgeleitet, der Beschützerin der wilden Tiere und der Gebärenden. Die Göttin war auch zuständig für Bitten um Heilung und Fruchtbarkeit. Die Pflanze gehört zu den Johanniskräutern. Zur Sonnenwendfeier trug man einen Gürtel aus Beifuß und warf ihn anschließend ins Sonnwendfeuer. In der Glut sollten alle bösen Einflüsse verbrennen und Gesundheit bescheren. Beifuß wurde früher auf verschiedene Weisen bei Entbindungen verwendet, um die Geburt zu erleichtern, bei Wechseln, z.B. der Jahreszeiten oder bei Wendepunkten im Leben wurde Beifuß verwandt.

Die Heilpflanze hat eine wärmende und entkrampfende, durchblutungsfördernde Wirkung auf die Gebärmutter, den gesamten Unterleib und fördert die Menstruation.  Das ‚Jungfernkraut’ wurde deswegen früher auch für Abtreibungen verwendet.

Beifuß nicht in der Schwangerschaft verwenden!

Hagebutte – Wildrose der Venus

Die Rose ist der Venus geweiht und soll aus dem Blut des Adonis entstanden sein. Sie ist das Symbol der Zuneigung, Liebe, Fruchtbarkeit  aber auch der Verehrung der Toten.  Sie enthält  wertvolle Inhaltsstoffe wie Fruchtsäuren, Vitamine, Mineralstoffe, Pektine, Falvonoiden und Gerbstoffen und bietet somit viele Anwendungsmöglichkeiten. Als Rosenblütenessig, Hagebuttentinkur, Rosensirup und -Likör oder Blütenzucker mit Rosen. Rosen- oder Hagebuttentee-Umschläge sind eine Wohltat für die gereizte Haut. Als Gesichtswasser beleben sie den Teint. Wirkstoffe und Duft entfaltet das ätherische Öl, wenn man es in kleinen Mengen in Cremes oder Lotionen einrührt.

Hagebuttentinktur: 2 Esslöffel getrocknete Hagebutten in ¼ l Weißwein 10 Tage ansetzen, gläschenweise trinken.

Schönheitsmaske: Früchte ohne Kerne pürieren und auf die Haut auftragen, 1 Stunde einwirken lassen. Glättet Falten und hellt die Haut auf

Autor/In: Ellen Hosbach, Heilpflanzen-Welt (2014)
Quellen: Hirsch S, Grünberger F: Die Kräuter in meinem Garten. Freya Verlag, 2011, Linz.
Fischer H: Frauenpflanzen. Nymphenburger Verlag, 2006, München.
Wiegele M: Frauenkräuter. Agrarverlag und Ulmer, 2003, Stuttgart.

Christa Sponring, Vitalhof Tunelhof, A-6133 Weerberg, Tirol, www.vitalhof-tunelhof.at

Ellen Hosbach Kommunikationsberatung, Kontakt: [email protected], Tel.: 040-37502647