Grippale Infekte werden erst zum Winterende häufig

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Zwiebelhustensaft selbstgemacht

Jahraus, jahrein das selbe Spiel: Mit Beginn des goldenen Oktobers fallen die bunten Blätter der Regenbogenpresse genauso wie „Qualitätsmedien“ über das Thema Erkältung und Grippe her. Und – natürlich – geht es mit dem Verkaufen los. Zuerst die Grippe-Impfung an alle „Impfwilligen“ (die bei uns immer seltener werden [1, 2]) und dann die zahllosen sinnlosen Präparate (z. B. Vitamin D [3]), die Apotheker so anbieten. Und schließlich sinnvolle Erkältungsmittel aus bewährten und hochwirksamen Heilpflanzen. Doch die ganze Aufregung ist für die Katz, da im Herbst weder Grippe noch grippale Infekte gehäuft auftauchen, wie ein Langzeitvergleich von Daten des Berliner Robert-Koch-Institutes (RKI) mit dem Grippeindex „FluSearch Index“ (FSI) jetzt zeigt [4].

Beide Instrumente messen, wie häufig grippeähnliche Beschwerden in der Bevölkerung in Deutschland im Jahresverlauf vorkommen. So sollen unter anderem Vorhersagen über den zukünftigen Grippe-Verlauf erleichtert werden. Die Arbeitsgruppe Influenza (AGI) des RKI wertet Angaben einiger Hundert Arztpraxen zur Häufigkeit von Patienten mit grippeähnlichen Beschwerden aus (ILI, „influenza like illness“). Dies gilt wissenschaftlich als relativ sicherer Indikator für das Vorkommen und Häufigkeit von Influenza. Mit dem ebenfalls in Berlin berechneten FSI werden hingegen jährlich rund 140 Millionen Online-Anfragen von Internetsurfern in Deutschland zu wichtigen Grippesymptomen ausgewertet.

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Thymian: Wichtiges Erkältungsmittel

Für die Langzeitanalyse seit 2007 wurden rund 770 Millionen Anfragen analysiert. Es zeigt sich bei beiden Überwachungssystemen ein typisches Muster: Ab August jeden Jahres nimmt die Häufigkeit von grippalen Infekten ganz allmählich, leicht zu. Der Höhepunkt der Erkältungs-/Grippe-Belastung wird jedoch – mit Ausnahme der Schweinegrippe-Pandemie 2009/2010 – erst gegen Januar bis März des Folgejahres erreicht [4]. Also ganz und gar nicht im vorausgegangenen Herbst, dem Beginn der „dunklen Jahreszeit“, sondern mit dem Ende des Winters! Als wissenschaftliche Erklärung galt seit einigen Jahren die Abnahme der Sonnenbestrahlung der Haut im Winter und der dadurch bedingte Rückgang des als „Erkältungsvitamin“ gehypten Vitamin D im Körper. Angesichts der fehlenden vorbeugenden Wirkung von Vitamin D auf Atemwegsinfekte müssen andere Ursachen in Erwägung gezogen werden [3, 5]. Zur Behandlung grippaler Infekte stehen viele Präparate, vor allem auf Grundlage von Heilpflanzen-Präparaten zur Verfügung. Angesichts der gleichzeitig wohltätigen wärmenden Wirkung, der erwünschten erhöhten Flüssigkeitszufuhr und der vielfältig heilsamen Effekte ziehen viele von Erkältung, Husten oder Bronchitis Betroffene jedoch lieber einen wirksamen Heilpflanzen-Tee vor.

Mehr:
Anleitung zur Herstellung von eigenem Zwiebelhustensaft

Autor/In: Rainer H. Bubenzer, Heilpflanzen-Welt (2013)
Quellen: [1] Schwabe U, Paffrath D (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2012. Springer-Verlag, Heidelberg, 2012.
[2] Robert Koch-Institut (Hrsg.): Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2010“.
Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. RKI, Berlin, 2012.
[3] Murdoch DR, Slow S, Chambers ST, Jennings LC, Stewart AW, Priest PC, Florkowski CM, Livesey JH, Camargo CA, Scragg R: Effect of vitamin D3 supplementation on upper respiratory tract infections in healthy adults: the VIDARIS randomized controlled trial.
JAMA. 2012 Oct 3;308(13):1333-9 (PMID: 23032549).
[4] Bubenzer RH: Frühzeitige Erkennung von Influenza jetzt auch in Deutschland. http://grip.pe
, Berlin, abgerufen am 6.11.2013.
[5] Shaman J, Jeon CY, Giovannucci E, Lipsitch M: Shortcomings of vitamin D-based model simulations of seasonal influenza.
PLoS One. 2011;6(6):e20743 (PMID: 21677774).