Panta rhei – “alles fließt” oder Bewegung heilt

Zahl­rei­che Stu­di­en bestä­ti­gen die gro­ße Bedeu­tung von Bewe­gung. The­ra­peu­tisch ermög­licht sie Erkran­kun­gen zu ver­mei­den, ver­bes­sern, auf­zu­hal­ten oder sogar Impul­se zur Hei­lung zu setzen.

Bewe­gung ist Leben. Leben wie­der­um ist durch Rhyth­men bestimmt. Denn alle Lebe­we­sen der Erde sind ein­ge­bun­den in natür­li­che Zyklen, die im Gro­ßen (kos­mi­schen) unter ande­rem von den Pla­ne­ten vor­ge­ge­ben sind: Auf- und Unter­gang der Son­ne geben den Tag-Nacht-Wech­sel und damit Wach-Schlaf­rhyth­men oder die Pha­sen der Akti­vi­tät wie Ruhe vor. Genau­so der Mond: Er beein­flusst die Was­ser­mas­sen der Erde (Tide: Ebbe/​ Flut) oder mit sei­nem 28-Tage-Zyklus die Mens­trua­ti­on vie­ler Frau­en. Eben­so takt­ge­bend sind inne­re Rhyth­men der Lebe­we­sen (mikro­kos­misch): Das Schla­gen des Her­zens, Pul­sie­ren des Blu­tes, Ein- und Aus-Atmung, um nur eini­ge Bespie­le zu nen­nen. Sie grei­fen auf kom­plex inein­an­der grei­fen­de Kör­per­pro­zes­se bis in die kleins­te Zel­le ein. Und Wehe, die­se Rhyth­men wer­den gestört! Dann kön­nen leich­te Befind­lich­keits­stö­run­gen bis hin zu einer schwe­ren Erkran­kun­gen die Fol­ge sein. Die Krank­heits­be­zeich­nung der Herz-Rhyth­mus-Stö­rung zeigt ein­deu­tig, dass die Funk­ti­on des Her­zens außer Takt gera­ten ist – was von den Betrof­fe­nen als aus­ge­spro­chen lebens­be­droh­lich emp­fun­den wird.

Selbst­ver­such: Stel­len Sie sich mit etwas gespreiz­ten Bei­nen und locke­ren Knien auf. Reis­sen Sie die Arme hoch, schüt­teln den Kopf oder machen unko­or­di­nier­te, wil­de Bewe­gun­gen. Nach einer hal­ben Minu­te hal­ten Sie inne, spü­ren wie das Herz rast, die Atmung durch­ein­an­der gera­ten ist. Dann gehen Sie mit ruhi­gen Schrit­ten auf und ab, bewe­gen die Arme rhyth­misch dazu. Ach­ten Sie auf eine tie­fe, ruhi­ge Atmung und spü­ren den Unter­schied: Wie wohl­tu­end und beru­hi­gend die­se Bewe­gungs­form ist.

Naturheilkundlicher Ansatz

Segeln auf dem Schma­len Luzin

Neben der not­we­ni­gen, medi­ka­men­tö­sen The­ra­pie sind nun Behand­lun­gen gefragt, die ganz­heit­lich anre­gend, rhyth­misch posi­ti­ve Ein­flüs­se aus­üben kön­nen. Bewe­gungs­the­ra­pien bie­ten die­se: Ent­we­der zur Eigen­hil­fe oder um der Selbst­hei­lung sozu­sa­gen durch äuße­re Bewe­gung, einen Anschub zu geben. Um die rich­ti­ge The­ra­pie zu fin­den, füh­ren natur­heil­kund­li­che The­ra­peu­ten eine weit­ge­fass­te Ana­mne­se durch: In die­ser wer­den nicht nur mög­li­che Vor­er­kran­kun­gen notiert, son­dern auch Arbeits- und Fami­li­en­si­tua­ti­on, aktu­el­le (ver­gan­ge­ne) see­li­sche Befind­lich­kei­ten oder belas­ten­de Fak­to­ren wie bespiels­wei­se finan­zi­el­le Nöte. Ent­spre­chend der Aus­rich­tung kön­nen zum einen the­ra­peu­tisch aus­ge­rich­te­te Impuls-Set­zun­gen vor­ge­schla­gen wer­den: Es bie­ten sich bei­spiels­wei­se die Fel­den­krais-Metho­de, anthro­po­so­phi­sche Euryht­mie oder Aus­drucks­tanz an. Ande­rer­seits eig­nen sich für den äuße­ren Anschub durch­aus auch Frei­zeit­sport­ar­ten wie Tan­zen, Wan­dern oder Nor­dic Wal­king. Was­ser­sport­ler wer­den sich lie­ber dem Nass zuwen­den und Schwim­men oder Aqua-Gym­nas­tik bevorzugen.

Vorlieben berücksichtigen

Sca­ten: Ber­lin Tempelhof

Allen genann­ten Bewe­gungs­for­men liegt ein ihm typi­scher Rhyth­mus inne. Im Gespräch mit den Patienten/​ Kli­en­ten wer­den beim Nach­den­ken über eine ange­mes­se­ne Bewe­gung die kör­per­li­chen Mög­lich­kei­ten und per­sön­li­che Vor­lie­ben Berück­sich­ti­gung fin­den. Ent­spre­chend ange­regt, kom­men Kli­en­ten manch­mal schnell zum Wesent­li­chen: “Ach, ich tan­ze eigent­lich so ger­ne”, erzählt dann eine Kli­en­tin. Doch wegen ihres Man­nes, der sich als ewi­ger Tanz­muf­fel erweist, such­te sie nie aktiv nach Gele­gen­hei­ten. Im Gegen­teil: Um den Part­ner nicht zu krän­ken, liess sie sogar die Mög­lich­kei­ten auf Fami­li­en­fes­ten aus. Schon bei der Erin­ne­rung an den schwung­vol­len Drei­vier­tel­takt strah­len die Augen, ver­än­dert sich sicht­lich die gesam­te Kör­per­span­nung. Wenn die Erin­ne­rung an die schwung­vol­le Musik schon so bele­bend sein kann, wie hei­lend wird dann erst der Tanz auf dem Par­kett sein? Nun muss die Pati­en­tin nur noch ermun­tert wer­den. Damit sie den Mut auf­bringt, sich für sich ein­zu­set­zen oder mög­li­cher­wei­se sogar selbst gesteck­te (ver­meint­li­che) Rück­sich­ten zu unterlassen.

Geschicht­li­ches: Den Grund­stein für die Bewe­gungs­the­ra­pie leg­ten kei­ne Gerin­ge­ren als berühm­te Ärz­te der Anti­ke wie Hip­po­kra­tes und Galen. Schon sie sahen im aus­ge­gli­che­nen Wech­sel von Ruhe und Bewe­gung die bes­te Mög­lich­keit zur vor­beu­gen­den Gesund­heits­pfle­ge. Ihre zahl­rei­chen Nach­fol­ger erwei­ter­ten die­se grund­le­gen­den Ansät­ze hin­sicht­lich der Bedeu­tung für die schnel­le­re Hei­lung. Römi­sche Mili­tär­ärz­te hat­ten zum Bei­spiel beob­ach­tet und doku­men­tiert, dass frisch Ope­rier­te, die sich beweg­ten, schnel­ler gena­sen. Des­halb emp­fah­len sie zügi­ges Auf­ste­hen vom Kran­ken­la­ger statt Scho­nung. Die­se ärzt­li­che Emp­feh­lung geriet vie­le Jahr­hun­der­te in Ver­ges­sen­heit. Erst im 18. Jahr­hun­dert erfolg­te eine Renais­sance der Bewe­gungs­the­ra­pie. Den Beginn scheint Tis­sot mit sei­ne Arbei­ten zu machen. Der Ortho­pä­de bewies, dass durch geziel­te Arbeit am Mus­kel­ap­pa­rat, gute ortho­pä­di­sche Erfol­ge erzie­len lies­sen. Ande­re grif­fen die­se “moder­nen” Beob­ach­tun­gen auf. Im 19. Jahr­hun­dert kam die Ein­sicht von gesun­den­der Bewe­gung durch den “Turn­va­ter” Jahn neu­en Schwung: Er for­der­te eine breit ange­leg­te “Kör­per­er­tüch­ti­gung” zum Woh­le einer all­ge­mei­nen Volks­ge­sund­heit. Sein Ver­dienst liegt in der Begrün­dung einer breit ange­leg­ten Bewe­gungs­in­itia­ti­ve. Sie beruh­te im wesent­li­chen auf Sport­ver­ei­nen, in denen Män­ner wie auch Frau­en sport­lich aktiv sein konn­ten. Im 20. Jahr­hun­dert ent­wi­ckel­te Ling die soge­nann­te schwe­di­sche Gym­nas­tik, die wie­der­um den Grund­stein ver­schie­de­ner Kör­­per- und Bewe­gungs­the­ra­pien leg­te. Der Pfar­rer Kneipp nahm die Bewe­gungs­the­ra­pie als eines der Grund­pfei­ler mit in sein Kon­zept auf: Sie ist tra­gen­des Ele­ment neben der Hydro- bezie­hungs­wei­se Ther­mo­the­ra­pie, Phy­to­the­ra­pie (Pflan­zen­heil­kun­de) und Ernäh­rungs- wie auch Ordnungstherapie.

Wesentlich für den Knochenerhalt

Pad­deln

Im Ame­ri­ka­ni­schen heisst es: “Use it, or loo­se it” was heisst: Benut­ze oder ver­lie­re es – gemeint sind Orga­ne oder Fähig­kei­ten. Was bei Nicht­nut­zung pas­sie­ren kann, zei­gen ein­drucks­voll unse­re Kno­chen: Bei einem ein­ge­gips­tem Fuss oder Arm lässt sich schon nach einem Tag eine gerin­ge­re Kno­chen­dich­te nach­mes­sen. Tat­säch­lich benö­ti­gen die kno­chen­auf­bau­en­den Zel­len ste­ti­gen Druck von außen, um täg­lich die Kno­chen­struk­tur zu erneu­ern. Ist der Anreiz gering, wird wenig erneu­ert. Hört er auf, stel­len auch die Osteo­plas­ten ihre Arbeit ein. Wich­tig ist auch eine Belas­tung, die rhyth­misch, rich­tungs­wei­send ent­spre­chend der Schwer­kraft erfolgt, stell­ten Welt­raum­for­scher fest. Wäre der Rhyth­mus unko­or­di­niert, wür­den die Osteo­plas­ten chao­ti­sche Struk­tu­ren auf­bau­en. Aus die­sem Grund müs­sen Astro­nau­ten im Welt­all enor­me Anstren­gun­gen auf sich neh­men. Sie absol­vie­ren täg­lich ein mehr­stün­di­ges Kraft­trai­ning, damit ihr Bewe­gungs­ap­pa­rat in Takt bleibt oder län­ger­fris­tig kei­nen Scha­den nimmt.

Osteoporose

Klet­tern

Die Osteo­po­ro­se ist eine Krank­heits­be­zeich­nung, die beim gegen­wär­ti­gen schul­me­di­zi­ni­schen Ver­ständ­nis, Kno­chen­ver­än­de­run­gen ver­schie­de­ner Ursa­chen zusam­men­fasst. Dabei kommt es zu Ver­än­de­run­gen der Kno­chen­dich­te und/​oder der Struk­tur der Kno­chen. Häu­fi­ge Fol­gen sind Kno­chen­brü­che. Die Ursa­chen der Osteo­po­ro­se sind bis heu­te weit­ge­hend unge­klärt. Wis­sen­schaft­ler strei­ten noch dar­über: Die einen glau­ben, dass man­geln­de Hor­mo­ne, vor allem Östro­ge­ne, für die gerin­ge Kno­chen­aus­bil­dung ver­ant­wort­lich sind. Dar­in wird auch der Grund gese­hen, dass 1,6 Mil­lio­nen Frau­en nach den Wech­sel­jah­ren an Osteo­po­ro­se lei­den. Ande­re Exper­ten hal­ten die­se The­se wegen der 800.000 eben­falls betrof­fe­nen Män­ner für unzu­tref­fend. Eini­ge machen eher Mine­ral­stoff-Defi­zi­te (Cal­ci­um, Vit­amin D) für die Kno­chen­struk­tur­ver­än­de­run­gen ver­ant­wort­lich. Ande­re hin­ge­gen sind der Auf­fas­sung, Osteo­po­ro­se sei im wesent­li­chen eine Fol­ge der ver­ring­tern Nut­zung des Bewe­gungs­ap­pa­ra­tes. Doch wel­che Wis­sen­schaft­ler auch Recht haben mögen, Einig­keit besteht dar­in, dass sich regel­mä­ßi­ge, (rhyth­mi­sche) Bewe­gung posi­tiv auf den Krank­heits­ver­lauf aus­wirkt. Und zwar nicht nur hin­sicht­lich des Erhalts oder der Wie­der­ge­win­nung von Funk­tio­nen. Son­dern sogar hin­sicht­lich eines Neu­auf­bau­es von sinn­voll struk­tier­tem Kno­chen (Zunah­me der Knochendichte).

Rheuma

Fahr­rad fahren

Für eine ande­re Erkran­kung ist Bewe­gungs­the­ra­pie eben­falls essen­ti­ell: Rheu­ma, ein Sam­mel­be­griff für Erkran­kun­gen der Bewe­gungs­or­ga­ne. Über 30 Mil­lio­nen von Men­schen lei­den welt­weit an behand­lungs­be­dürf­ti­gem Rheu­ma. Je nach Art und Schwe­re der Erkran­kung gibt es ver­schie­de­ne The­ra­pie­an­sät­ze. Zu der medi­ka­men­tö­sen The­ra­pie gehört ganz wesent­lich der Ein­satz “nicht-ste­ro­ida­ler Anti­rheu­ma­ti­ka” (NSAR). Vor allem wegen der schmerz- (anal­ge­ti­schen) und ent­zün­dungs­hem­men­den (anti­phlo­gis­ti­schen) sowie der fie­ber­sen­ken­den (anti­py­re­ti­schen) Wir­kun­gen die­ser Medi­ka­men­ten­grup­pe. Die vor­teil­haf­ten Wir­kun­gen beim Dau­er­ein­satz von NSAR bei chro­ni­schem Rheu­ma wer­den jedoch mit erheb­li­chen Neben­wir­kun­gen erkauft: Die Pati­en­ten bekom­men Magen­ge­schwü­re (Ulzer­a­tio­nen), Magen­blu­tun­gen, lebens­be­droh­li­che Durch­brü­che der Magen­wand (Per­fo­ra­tio­nen) oder auch Stö­run­gen ihres Blut­bil­des. Trotz­dem gehö­ren NSAR wesent­lich zur Rheu­ma­the­ra­pie, weil erst Bewe­gung ohne star­ke Schmer­zen die Akti­vie­rung bzw. Reak­ti­vie­rung der Pati­en­ten erlaubt. Und genau die­se Akti­vie­rung ermög­licht Bewe­gung, die – wie Schul­me­di­zi­ner und Natur­heil­kund­ler den­ken – eine Grund­la­ge zur Kon­trol­le der Erkran­kung ist. Sei es, dass mit geziel­ter, indi­vi­du­el­len Bewe­gungs­pro­gram­men das Fort­schrei­ten auf­ge­hal­ten wer­den kann. Sei es, dass bestimm­te rheu­ma­ti­sche Ver­än­de­run­gen und Funk­ti­ons­ver­lus­te sogar wie­der rück­gän­gig gemacht wer­den können.

Zur Gesundheitsförderung

Mara­thon-Frau­en

Bewe­gung ist jedoch nicht nur für Kran­ke gut. Auf­rüt­telnd beti­tel­ten Redak­teu­re von Reu­ters, der welt­weit größ­ten Nach­rich­ten­agen­tur, eine ande­re, bemer­kens­wer­te Stu­die: “Sie wol­len leben? Dann lau­fen Sie!” Die Stand­ford Uni­ver­si­tät in Kali­for­ni­en prä­sen­tier­te im August 2008 Ergeb­nis­se einer Lang­zeit-Unter­su­chung: Wis­sen­schaft­ler hat­ten 1984 damit begon­nen, Daten von Men­schen eines pan­ame­ri­ka­ni­schen Lauf-Klubs (Lauf­zeit min­des­tens vier Stun­den pro Woche) zu erhe­ben. Das Beson­de­re dabei: Die Läu­fer waren schon zu Beginn der Stu­die in ihrer zwei­ten Lebens­hälf­te, so dass beim Stu­di­en­en­de vie­le weit über 70 Jah­re alt waren. Über 20 Jah­re lang füll­ten die Läu­fer all­jähr­lich Fra­ge­bö­gen aus, die Vie­les aus ihrem täg­li­chen Leben doku­men­tier­ten (Ernäh­rung, Kör­per­pfle­ge bis hin zur Koor­di­na­ti­on wie Grei­fen von Din­gen, Auf­ste­hen vom Stuhl, Anzie­hen). Für die Ver­gleichs­grup­pe wur­den gleich­alt­ri­ge Men­schen aus­ge­wählt, die “nor­ma­le” sport­li­che Akti­vi­tä­ten trie­ben (min­des­tens zwei bis drei Mal Sport in der Woche). Um die Sterb­lich­keit der Teil­neh­mer zu erfas­sen, durf­ten die Wis­sen­schaft­ler das natio­na­le Ster­be­ver­zeich­nis nut­zen. Dar­über fan­den sie – falls Teil­neh­mer ver­stor­ben waren – den Zeit­punkt und die Ursa­che des Todes her­aus. Das Ergeb­nis: Die Über­le­bens­ra­te der Läu­fer aus der Lang­zeit­stu­die war hoch­si­gni­fi­kant erhöht: 34 Pro­zent Teil­neh­mer aus der Nicht­läu­fer­grup­pe ver­star­ben bis zum Stu­di­en­en­de, im Ver­gleich dazu jedoch nur 15 Pro­zent aus der Läu­fer­grup­pe. Die Wis­sen­schaft­ler resü­mier­ten, dass regel­mä­ßi­ges, aus­dau­ern­des (anstren­gen­des) Lau­fen die Lebens­zeit ein­deu­tig ver­län­gert. Sie stell­ten außer­dem noch ande­re posi­ti­ve Ergeb­nis­se fest: Die Läu­fer erfuh­ren im Gegen­satz zu den Nicht­läu­fern ers­te kör­per­li­che Ein­schrän­kun­gen zum Bei­spiel ihrer Beweg­lich­keit oder Koor­di­na­ti­on durch­schnitt­lich erst 16 Jah­re spä­ter. Zudem wur­den bei den Läu­fern ins­ge­samt eine gerin­ge­re Rate an Herz­kreis­lauf-Krank­hei­ten, Krebs­er­kran­kun­gen oder neu­ro­lo­gi­schen Krank­hei­ten wie die Alz­hei­mer-Demenz fest­ge­stellt. (1)

Gesundheitliche Wirkung von moderater Bewegung

Die obi­ge Stu­die lässt sich auf ande­re aus­dau­ern­de Bewe­gungs­ar­ten wie unter ande­rem Nor­dic Wal­king, Power­wal­king, Schwim­men, Gol­fen, Rei­ten erwei­tern. Denn die gesund­heit­lich för­dern­den Eigen­schaf­ten von Bewe­gung sind durch zahl­lo­se Stu­di­en her­vor­ra­gend doku­men­tiert. Sie las­sen sich zusam­men­fas­sen: Mode­ra­te Bewe­gung – min­des­tens drei mal wöchent­lich eine hal­be bis eine Stun­de – wirkt sich posi­tiv aus auf

  • das Herz. Durch Erhö­hung von Herz­kraft und ‑grö­ße nimmt die pro Herz­schlag in den Köper trans­por­tier­te Blut­men­ge zu. Dies führt zu einer Sen­kung des Ruhe- und Arbeits­pul­ses, das Herz schlägt lang­sa­mer und kräftiger;
  • auf Blut­ge­fäs­se bezie­hungs­wei­se Kreis­lauf. Es erfolgt nicht nur eine bes­se­re Durch­blu­tung des Her­zens selbst (“Koro­nar­durch­blu­tung”), son­dern auch der fei­nen Haar­ge­fäs­sen im Kör­per (“Kapil­la­ren”). Dadurch wer­den Mus­ku­la­tur, Orga­ne oder Bin­de­ge­we­be ins­ge­samt bes­ser durch­blu­tet, mit Nähr­stof­fen und Sau­er­stoff ver­sorgt. Akti­vie­rung der Mus­kel­pum­pe beugt Venen­pro­ble­men der Bei­ne vor. Zudem sinkt län­ger­fris­tig der Blutdruck;
  • das Blut. Lau­fen ver­bes­sert die Fliess­fä­hig­keit des Bluts (Nei­gung zu Blut­ge­rinn­seln nimmt ab) und bewirkt eine Zunah­me des Blut­vo­lu­mens. – die Hor­mo­ne. Abbau von Stress­hor­mo­nen wie Adre­na­lin und ver­mehr­ter Bil­dung von Sero­to­nin (“Glücks­hor­mo­ne”;
  • die Lun­gen. Die ein- und aus­ge­at­me­te Luft­men­ge pro Atem­zug steigt (Lun­gen­ka­pa­zi­tät). Eine erhöh­te Kapil­la­ri­sie­rung ver­bes­sert die Sau­er­stoff­auf­nah­me der Lungen;
  • das Ske­lett. Die Akti­vie­rung des Bewe­gungs­ap­pa­ra­tes ver­bes­sert die Mine­ra­li­sie­rung der Kno­chen und den belas­tungs­ab­hän­gi­gen Auf- und Umbau der Kno­chen­struk­tur. Sport wirkt dem Kno­chen­schwund (Osteo­po­ro­se) entgegen;
  • den Bewe­gungs­ap­pa­rat. Die regel­mä­ßi­ge Nut­zung von Kno­chen, Seh­nen, Bän­dern und Mus­keln ver­hin­dert Ein­schrän­kun­gen der Beweg­lich­keit, beugt “Verschleiss”-Problemen der Gelen­ke vor und ver­bes­sert die Koor­di­na­ti­ons­fä­hig­keit (eine Fol­ge: ver­rin­ger­te Sturzneigung;
  • das Immun­sys­tem. Abhär­tung durch Bewe­gung bei jedem Wet­ter (bei ange­mes­se­ner Klei­dung, die den jewei­li­gen Ver­hält­nis­sen ange­passt ist). – den Darm. Kör­per­li­che Bewe­gung regt die Beweg­lich­keit des Darms (Moti­li­tät) an, was bei zahl­rei­chen Ver­dau­ungs­be­schwer­den hilft (Sod­bren­nen, Reiz­darm, Verstopfung);
  • den Stoff­wech­sel. Zahl­rei­che Stoff­wech­sel­wer­te wer­den bei regel­mäs­si­ger kör­per­li­cher Akti­vi­tät bes­ser, zum Bei­spiel Blut­zu­cker oder Blut­fett­wer­te (Cho­le­ste­rin­spie­gel). Ins­ge­samt beugt Sport dem meta­bo­li­schen Syn­drom vor (Blut­hoch­druck, Fett­stoff­wech­sel­stö­run­gen, Arte­ri­en­ver­kal­kung, Zucker­krank­heit). – das Gehirn. Sport ver­bes­sert zahl­rei­che Gehirn­funk­tio­nen oder wirkt antidepressiv;

Wind­sur­fen

Kein Plä­doy­er für Bewe­gung könn­te umfang­rei­cher sein oder posi­ti­ver daste­hen. Doch trotz der genann­ten und weit­ge­hend auch bekann­ten Vor­tei­le scheint die Gesell­schaft an man­geln­der Bewe­gung zu kranken.

Zuneh­mend bewe­gungs­ar­me Lebens­ge­wohn­hei­ten und Frei­zeit­ver­hal­ten machen Sport­me­di­zi­nern Sor­gen. In der kürz­lich ver­öf­fent­li­chen Stu­die “Fit fürs Leben” bei­spiels­wei­se stell­ten Wis­sen­schaft­ler von der Deutsch­ne Sport­hoch­schu­le Köln ihre Ergeb­nis­se vor: 12 835 Pro­ban­den im Alter von 16–25 Jah­ren wur­den unter­sucht, wie ihre die Sport­ak­ti­vi­tä­ten, Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten und Gesund­heits­ver­hal­ten. Fazit: Von den 25-jäh­ri­gen Män­nern waren 50 Pro­zent über­ge­wich­tig, 60 Pro­zent von ihnen rauch­ten und rund ein Drit­tel zeig­ten sich als “sport­abs­ti­nent”. Bei den Frau­en waren ein Vier­tel über­ge­wich­tig und wur­den als wesent­lich sport­lich inak­tiv bezeich­net. Die Sport­me­di­zi­ner warn­ten zusam­men­fas­send den nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen in naher Zukunft: Deut­li­che Zunah­me von Adi­po­si­tas und damit ein­her­ge­hen­de kar­dio­vas­ku­lä­re Erkran­kun­gen. Sie for­der­ten drin­gen effi­zi­en­te, inti­tu­ti­ons­über­grei­fen­de Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men, um einen gesund­heits­be­wuß­ten Lebens­stil zu fördern.

Autorin
• Mari­on Kaden, Natur & Hei­len (2009).
Quel­len
(1) Chakrav­ar­ty, Eli­za F; Hubert Helen B; et al: Redu­ced Disa­bi­li­ty and Mor­ta­li­ty among Aging run­ners. A 21-Year Lon­gi­tu­di­anal Stu­dy. Arch Intern Med/​​ Vol. 168 (No. 15), Aug 11/​​25, 2008
wei­te­re Infos
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