Gesund mit Feuer, Luft, Wasser und Erde

Die moderne Balneologie fusst auf der Elemente-Lehre der Griechen. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil naturheilkundlicher Therapien zur Behandlung von Krankheiten. Allerdings bietet sie auch mit individuell angepassten Teil-Anwendungen im Urlaub oder Alltag gute Möglichkeiten, um Gesundheitsvorsorge zu betreiben.

Die schönste Zeit des Jahres ist da: Die Sommerzeit. Für viele ist sie auch Urlaubszeit. Die meisten haben ihre Pläne schon geschmiedet, gebucht oder sind sogar schon in einer der reizvollen Gegenden Deutschlands oder Europas unterwegs. Bei der Wahl des Urlaubsorts sind die eigenen Bedürfnisse entscheidend. Für die einen ist ein Aktiv-Urlaub mit viel Bewegung genau das Richtige. Andere suchen in einsamen Gegenden Ruhe und wollen einfach nur die Seele baumeln lassen. Ganz gleich, wofür Sie sich entschieden haben – vielleicht sogar für den Urlaub in Balkonien – zahllose Möglichkeiten warten auf Sie, das Wohlgefühl zu steigern oder etwas Gutes für die Gesundheit zu tun.

Heilsam: Wasser, Luft, Erde und Wärme

Denken Sie zum Beispiel an die Balneologie. Darunter wird allgemein die Bäderkunde mit ihrem breit gefächerten Angebot verstanden. Dazu gehört die klassische Kurmedizin mit Trink-, Bade- oder Inhalationskuren, deren medizinische Wirkungen auf Heilquellen beruhen. Aber auch physikalische Behandlungsmethoden wie Massagen, Schlamm- und Algenbäder (Thalasso) oder Bewegungstherapien sind Elemente klassischer und moderner Balneologie. Seit dem 19. Jahrhundert zählen auch die populären Kneipp- und vergleichbare Kuren mit ihren unterschiedlichen Wasser-Anwendungen (Hydrotherapie) dazu. Die Kneipp-Therapie wird jedoch erst kombiniert mit einer Ernährungs- und Bewegungstherapie als vollständig erachtet. Und nicht zuletzt sind Klimaveränderungen – wie am Meer, in den Bergen oder auch in Höhlen (zusätzlich kombiniert mit natürlichen Radon- und anderen Gasen) anzutreffen – Teil der Balneologie.

Im Rhythmus des Meeres gesunden

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Sommer, Sonne, Meer

Sie gehört zur europäischen Naturheilkunde und hat eine lange Tradition. Denn schon die Griechen sahen im Wasser ein wesentliches Element – im Zusammenspiel mit der Luft, dem Feuer oder der Erde. Wasser-Anwendungen gelten seit Jahrtausenden als heilsam, waren oder sind bis heute zudem wichtiger Teil der Gesundheits-Vorsorge. Mit ihrem breiten Angebot hält die Balneologie fast für jeden etwas vor. Bildhafte Betrachtungen können entsprechend der griechischen Elementelehre oder der modernen Auffassungen der Naturheilkunde die Sachverhalte verdeutlichen: Wenn Sie gerade an der Nordsee sind und die frische Brise genießen, sind Sie Teil eines der größten natürlichen irdischen Rhythmen überhaupt – nämlich der Gezeiten der Weltenmeere. Zusammen mit der salzhaltigen, allergenarmen Luft ist dieser äußere Rhythmus besonders bei solchen Patienten heilsam, bei denen eines der wichtigsten körpereigenen rhythmischen Funktionssysteme gestört ist – die Atmung, gleichgültig ob mit oder ohne allergischer Komponente.

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Reizklima Nordsee

Im frischen Reizklima der Nordsee können beispielsweise Menschen mit chronischem (allergischem) Asthma endlich mal wieder durchatmen. Zum einen, weil die allergenarme Seeluft überempfindlich-entzündeten Bronchien Linderung verschafft (weniger Pflanzen-Pollen, weniger Industrie-Schadstoffe usw.). Zum anderen, weil sich das Simile-Prinzip der Homöopathie und Naturheilkunde („Gleiches werde mit Gleichem geheilt“) wohltätig auswirkt: Wenn nämlich die die tosende Kraft eines Sturms, der an den Küsten unerwartet schnell aufziehen kann, Menschen den Atem verschlägt, ihren Atem stocken lässt, ist dies für Atemwegs-Patienten ein zu ihrer Erkrankung gleichsinniger Heilreiz. Folge: Die Atemwege entspannen sich, allergisch-entzündlich bedingte Schwellungen gehen zurück, Hustenattacken bleiben aus und quälende Anfälle von Atemnot werden seltener und leichter. Raucher, die ihren Zigarettengenuss meist mit chronischer Bronchitis bezahlen, können in dem belebenden Meer-Klima oft seit Jahren erstmals wieder erleben, wozu ihre Atemwege da sind: Nämlich kräftig durchzuatmen, sich so mit der Welt zu verbinden und den Sauerstoff der Luft als Grundlage für alle Lebensvorgänge tief einzuatmen.

Salziger Schlick tut gut

Aber auch Gesunde, insbesondere Wasserratten oder solche, die es noch werden wollen, kommen auf ihre Kosten: Bäder im salzigen Meerwasser heilen Haut- oder Nervenerkrankungen. Das Wasser enthält beispielsweise bei aufgewühltem Meer neben dem Salz noch viele Mineralien und Spurenelemente, die dem Sand und Schlick entstammen. Sie können sich auch bei Watt-Wanderungen den salzigen Schlick durch die Zehen drücken lassen. Wer gezielte Anwendungen möchte, wird sich gerne Schlamm- oder Algenbäder in den jeweiligen Kureinrichtungen an der Küste gönnen. Dass Schlick und Salzwasser vorbeugende und heilende Wirkungen bei vielen chronischen Hautkrankheiten haben, ist seit Jahren belegt. So gehört – als therapeutisches Extrem – die Behandlung der Schuppenflechte (Psoriasis) in dem extrem salzhaltigen Wasser des Toten Meeres zur Basisbehandlung dieser chronischen Hautkrankheit. Hinweis: Menschen mit Kreislaufproblemen oder labilem Seelenkleid hilft Meerwasser in besonderer Weise. Wissenschaftler haben festgestellt, das die Gischt von Meereswellen negativ geladene Ionen mit sich führt. Diese bewirken, dass das seelische und körperliche Gleichgewicht besser wieder hergestellt werden kann. Für alle Gesunde – ob Kinder, Erwachsene oder Senioren – bietet der Aufenthalt am Meer also ein gesundes Reizklima, das so manches Wehwehchen im Keim erstickt und der vorbeugenden Kräftigung von Körper, Seele und Geist dient.

Thalassotherapie

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand diese relativ junge Therapieform. Sie bietet (Thalasso, griechisch Meer) Bäder, Güsse, Druckstahlgüsse mit erwärmtem Meerwasser an (34-36 Grad Celsius). Zusätzlich können verschiedene Meeresprodukte wie Schlämme, Algen oder Salze verwendet werden. Neben den Mineralien und Spurenelementen enthält Meerwasser Plankton. Dieses kann antibiotische Eigenschaften haben und sich stärkend auf das Immunsystem auswirken. Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung von Meeresböden, Algenvorkommen oder Strömungsverhältnissen der Meere sind Kur-Unterschiede zu berücksichtigen. So wissen Thalasso-Freunde, dass das Mittelmeer-Wasser beruhigend, das Atlantikwasser hingegen kräftigend wirken.

Luftige Höhen vertreiben Sorgen

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Alpenluft vertreibt Sorgen

Der Aufenthalt in Bergen bietet ebenso viele Möglichkeiten zur Gesundung oder Gesunderhaltung wie andere Regionen: Aufenthalte im (Mittel-)gebirge sind für Herz-Kreislauf-Erkrankungen heilsam, auch Stressgeplagte finden leichter Erholung. Bildlich gesprochen, sind die geographisch höher gelegenen Regionen der Erde mit dem Element der Luft assoziiert. Für Menschen mit beschleunigtem Lebensschritt, auch in krankhafte Ausprägungen hinein (Sanguiniker), ist die Konfrontation mit dem Lebenselement Luft besonders heilsam. Dies merken aber auch alle anderen Besucher der Berge: So fällt beim Wandern durch die phantastische Landschaft die Selbstbezogenheit allmählich weg, der Blick schweift in die Ferne, die Weite des Universums wird erfahrbar. Viele Menschen empfinden sich angesichts der majestätischen Bergwelt als klein oder fühlen sich Gott näher. Und so relativieren sich Alltagssorgen oder Probleme, die zu Hause groß und kaum zu bewältigen scheinen. Erleichterung macht sich innerlich breit, weshalb sich auf mancher Berg-Wanderung Probleme wie von selbst lösen. Warum sich das Bergklima so wohltätig auf viele Erkrankungen auswirkt, hat vor allem die Sportmedizin herausgefunden: Durch die dünne Luft der Berge (weniger Sauerstoff) muss der Körper mehr sauerstofftragende rote Blutkörperchen bilden (Lebensdauer um die 100 Tage). Bei der Rückkehr ins Tal kann der Körper dann besser mit Sauerstoff versorgt werden, ist aktiver und leistungsfähiger (im Sport wird dies „natürliches Erythrozyten-Doping“ genannt). Auch die Mittelgebirge haben ganz spezielle Eigenschaften. Da sich dort der wesentliche Waldbestand in Deutschland findet, kommen Urlauber und Kurgäste in vielen Regionen in den Genuss einer kostenlosen Aroma- und Farbtherapie. Die ätherischen Öle gerade der Nadelbäume haben wohltätige Auswirkungen auf Atmungsorgane und die Seele. Ebenso wirkt die Farbe Grün in ihren vielfältigen Schattierungen beruhigend auf die Psyche und lädt zu Meditationen während des Wanders ein.

Das Feuer der Sonne

Rheumatiker wissen seit langem: Die Wärme südlicher Regionen tun ihnen gut. Die Wärme der Sonne („das Feuer“) hilft das Feuer der Gelenk-Entzündungen, die hierdurch bedingten Schwellungen, Schmerzen und Bewegungs-Einschränkungen zu beschwichtigen. Dies gilt nicht nur für Erkrankungen rheumatischen Formenkreises (zum Beispiel Rheuma oder Fibromyalgie), sondern auch für zahlreiche andere Erkrankungen. Psychosomatisch orientierte Ärzte oder Heilpraktiker erleben in Rheumatikern oft Menschen, die schon früh Geborgenheit vermissten und oft voller unausgelebter Aggressionen stecken. Ein körperlicher Ausdruck ist dann manchmal die chronische Selbstzerstörung der Gelenke oder die zutiefst leidvolle Erfahrung andauernden Muskelschmerzen. Die Wärme der sonnendurchglühten südlichen Mittelmeer-Länder, die Lieblichkeit der Landschaft, die von ätherischen Ölen vielfältiger sonnenliebender Gewürz- und Heilkräuter gewürzte Luft umhüllen die Kranken mit der Wärme und dem überquellenden, lebensspendenden Überfluss der Sonne, bildlich gesprochen also mit der Liebe der Schöpfung. Wem es gelingt, sich dieser Qualität der Natur hinzugeben, erfährt innere Entspannung, nachlassende Entzündungs-Aktivität und schwindende Schmerzen. Eine gute Chance besteht für alle – nicht für Rheumatiker –, in dieser freundlichen Umgebung mit sich selbst einen liebevolleren Umgang zu finden. Vorsicht ist jedoch geboten: Ein Zuviel an Sonne kann rasch selbst zu ausgedehnten Entzündungen führen, das Immunsystem schwächen und einen wohlverdienten Urlaub mit Sonnenbrand, Dauerhusten und Durchfall zur Qual machen.

Innere Wasseranwendungen

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Lebenselexir Wasser

Wasser, um auf des besondere Element der Balneologie zurückzukommen, ist in allen genannten Region durch Flüsse oder Seen vertreten. Überall dort wo Heilwässer aus der Erde sprudeln, laden Kureinrichtungen zu einem Besuch ein. Heilwässer sind nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich angewandt heilsam. In vielen Kurorten sind Trinkhallen anzutreffen, die kostenlos Heilwässer der Region bereithalten. Ein täglicher Abstecher dorthin lohnt sich. Denn eine Trinkkur mit mineralienhaltigen Wässern kann beispielsweise bei Gicht, Darmentzündungen oder Verdauungsbeschwerden wieder etwas in Gang bringen. Und so die Verdauung regulieren oder Darmentzündungen abmildern. Auch bei dem Millionenproblem Sodbrennen helfen Heilwässer – vor allem, wenn sie besonders reich an Hydrogenkarbonat sind. Aber auch Gesunde profitieren. Denn Trinkkuren eignen sich hervorragend zur Gesundheitsvorbeugung. Sämtliche Angebote der Kureinrichtungen wie Massagen, Schlamm- oder Solebäder sind ebenso vorbeugende Maßnahmen. Viele Menschen haben noch nicht registriert, dass sich das deutsche Kurwesen durch zahlreiche Reformen sehr gewandelt hat. Der Gedanke der aktiven, kundenfreundlichen Dienstleistung ist mittlerweile in Kurbetrieben angekommen. Sie halten attraktive Angebote manchmal sogar schon für Kurzurlauber vor. Gönnen Sie sich also ruhig die wohltuenden Maßnahmen und lernen die Vielfalt der naturheilkundlichen Anwendungen „leibhaftig“ kennen.

Populär: Sebastian Kneipp

Vom Gesamtprogramm der Balneologie sind die Wasseranwendungen des Pfarrer Sebastian Kneipp am populärsten. Seine Vorstellungen haben sogar in modernen Frauenzeitschriften Einzug gehalten. Dargestellt werden meistens Wellness-Möglichkeiten wie Bäder mit duftenden Zusätzen. Doch diese haben wenig mit den Zielen Kneipps zu tun. Diese Wohlfühltipps zeigen nur einen winzigen Ausschnitt aus dem Gesamtkonzept des Lebensreformers und Therapeuten, das er im Laufe seines Lebens entwickelte. Wasseranwendungen gehören dazu (eher im Sinne von Heilung oder „Abhärtung“, Vorbeugung) wie auch Ernährung, Bewegung, Phytotherapie (Heilpflanzen) und Ratschläge zur Lebensführung (Ordnungstherapie). Wichtig war ihm, Menschen zur Gesundheitsvorsorge anzuhalten, damit sie gar nicht erst krank werden. Da Kneipp als Pfarrer in den seinen ersten Jahren vorwiegend mit Arbeitern und Bauern zu tun hatte, mussten die Anwendungen einfach zu handhaben und kostengünstig sein. Kneipp war am Puls einer neuen Ära und feierte beachtliche Erfolge. Trotz des erbitterten Widerstands der Ärzteschaft, die ihn als Kurpfuscher hinstellten, wurde er schon zu seinen Lebzeiten zur Legende. Er initiierte Vereine in denen Kneipp-Freunde zusammenkamen. Daraus entstand eine der größten und breit angelegensten Gesundheitsbewegungen Deutschlands. Heute sind etwa 160.000 Kneipp-Freunde in etwa 600 Vereinen organisiert.

Vom Kurpfuscher zum Meister der Wässer

Kneipps Ideen sind heute sogar Bestandteil der modernen Reiz- oder Regulationstherapie der Schulmedizin geworden. Kneippsche Anwendungen werden von Ärzten verschrieben und Physiotherapeuten und in Kureinrichtungen durchgeführt. Die Anwendungen basieren auf gezielter Anwendung von Wärme und Kälte. Die Idee ist, mit einer „auf den Körper zielenden Reizung“ Heilungsimpulse beispielsweise über die Stimulation von Reizzonen (Reflexzonen) weiter über die Nerven an innere erkrankte Organe gelangen zu lassen. Oder durch massive Beeinflussung der Hautdurchblutung zu reflektorischen Organreaktionen zu kommen, beispielsweise zur Entspannung verkrampfter Muskelpartien. Von wissenschaftlich orientierten Naturheilkundlern sind sogar wassertherapeutisch ausgelöste Veränderungen hormoneller Signalbildung und -übertragung im Körper beschrieben worden („Anti-Aging“).

Kurz und kalt: Fußbad als Einschlafhilfe

Am Beispiel eines kalten Fußbades, kann gut gezeigt werden in welcher tiefgreifender Weise Wassertherapie Einfluss auf den gesamten Körper nimmt. Oft reichen wenige Sekunden dieser Kaltwasser-Anwendung, um bereits Heilwirkungen zu erreichen. Aber Achtung: Kalte Fußbäder sind so wirksam, dass sie für Patienten zum Beispiel mit Herzkreislauf-Erkrankungen eine zu starke Belastung sein können.

Wie funktioniert es? Intensiver Kältereiz zieht zuerst die Blutgefäße in Füssen und Beinen kältebedingt zusammen. So wird die Haut weniger durchblutet und erscheint weiß. Diese Gefäßverengung und der Kältereiz auf Nerven und Fußreflexzonen wirken auf den ganzen Organismus: Der Blutdruck steigt, der Puls nimmt zu und die Atmung beschleunigt sich. 30-180 Sekunden später beginnt die körperliche Kälte-Schutzreaktion: Ader-Erweiterung -> Zunahme der Durchblutung -> Wiedererwärmung der Beine.

Was ist zu beachten? Beim Fußbad sollen die Unterschenkel bis zur Hälfte der Waden eingetaucht sein. Dafür brauchen Sie ein Gefäß, das hoch genug ist (großer Eimer, Fußbadewanne aus dem Sanitätshandel). Fußbaden Sie in Küche oder Bad (immer im Sitzen!). Dann brauchen Sie nichts hin- und herzutragen.
Achtung: Nur mit wirklich warmen Füßen sind kalte Fußbäder erlaubt!

Wie wird es gemacht? Lassen Sie kaltes Wasser (wie es aus der Leitung kommt) einlaufen. Da der Kältereiz rasch wirkt, tauchen Sie die Füße und Unterschenkel nur für 10 Sekunden ein.
Achtung: Beenden Sie sofort das Fußbad bei Kälteschmerz (also, wenn es in Füssen oder Beinen weh zu tun beginnt) oder wenn Sie zu frösteln oder zu frieren anfangen. Denn: Bei längerem kalten Fußbad drohen Auskühlung, Unwohlsein, Schwäche oder Erkältung. Anschließend rubbeln Sie Ihre Füße mit dem Handtuch ordentlich warm. Und ziehen warme Wollsocken und Hausschuhe an. Wichtig: Die leichte bis starke Rötung und Erwärmung der Haut nachher ist erwünscht und Anzeichen einer guten Wirkung.
Tipp: Sie dürfen kalte Fußbäder täglich machen. Aber immer nur eines pro Tag! Bei kurmäßiger Anwendung (mehr als 1 Woche), dürfen Sie auch die Dauer langsam erhöhen (auf maximal 2 Minuten).

Indikationen: Wegen des starken Gefäß-Reizes und -Trainings (=Verengung und Erweiterung der Adern) in Füssen und Unterschenkel sind kalte Fußbäder besonders gut bei Krampfaderleiden, durch Venenschwäche bedingten geschwollenen, müden Füssen, wegen Schwäche des Lymphsystems dicken Beinen oder intensiver Fußschweiß-Bildung. Auch Verstauchungen oder Zerrungen im Fuß- und Knöchelbereich profitieren von verstärkter Durchblutung. Die Kreislaufanregung hilft bei Müdigkeit (z. B. nach einem langen Arbeitstag) aber auch bei Störungen der Kreislaufregulation (Schwindel beim Aufstehen, niedriger Blutdruck). Der kurze Kältereiz hilft sogar bei Kopfschmerz wegen Blutüberfülle im Kopfbereich. Ein kaltes Fußbad kann auch hohes Fieber (>40°C mit Fieberkrämpfen) rasch senken oder Menschen mit Einschlafstörungen helfen.
Der wichtigste Allgemeineffekt: Abhärtung (Infekt-Vorbeugung) und Gesundheits-Stärkung (bei kränkelnden Menschen).

Wann nicht? Bei einigen Erkrankungen verstärken kalte Fußbäder vorübergehend Beschwerden. Deshalb nicht anwenden bei:

  • Reizblase
  • akute Erkältungskrankheit (grippaler Infekt)
  • fortgeschrittene Arterienverkalkung (=„arterielle Verschlusskrankheit Stadium III und IV“, bitte Arzt fragen)
  • Menstruation (Regelablauf kann gestört werden)
  • wenn Ihre Füße beim letzten kalten Fußbad über 15 Min. brauchten, um sich zu erwärmen

Hauseigener Kurbetrieb

Da in unseren Breitengraden Wasser billig und immer verfügbar ist, kann praktisch jedes Badezimmer zur eigenen Kureinrichtung umfunktioniert werden. Vorbereitungen sind keine nötig, denn die meisten Badezimmer haben entweder eine Dusche, eine kleine oder große Badewanne. Nun brauchen Sie nur noch ein paar zusätzliche Leinentücher. Wählen Sie sich etwas Passendes aus der großen Anwendungs-Palette aus: Güsse, Bäder, Wickel, feuchte Umschläge, Dampfbäder, Inhalationen, Duschen oder Spülungen – haben Sie die wohltuende und heilsame Wirkung der Kneippschen Anwendungen erstmal für sich selbst entdeckt, werden Sie immer wieder darauf zurückkommen. Viele Anwendungen lassen sich einfach in den Tagesablauf integrieren und sollten dann auch konsequent durchgeführt werden – nur so sind beispielsweise die gesundheitsstabilisierenden Anwendungen wirksam.

Tautreten

Das barfüßige Laufen durch frisches, taufeuchtes Gras macht wach. Nach nur etwa 3 - 5 Minuten werden trockene und warme Strümpfe angezogen (ohne Abtrocknen). Mit weiterem Bewegen oder leichter Gymnastik wird der Körper wieder aufgewärmt. Wichtig: Diese Abhärtungsmaßnahme wird niemals mit kalten Füssen begonnen. Wirkung: Durchblutungsfördernd, Venen kräftigend, Abwehr stärkend. Nicht bei: Harnwegsinfekten, Blasen- und Nierenkrankheiten, Unterleibs- oder Hexenschuss.

Kneipp soll gesagt haben: „Fange heute an, aber mit leichten und nicht mit den schweren Übungen!“ Erfahrene werden noch hinzufügen, dass zu manchen Kneipp-Anwendungen auch eine ordentliche Portion Selbstüberwindung gehört. Vor allem bei Übungen, die abhärten – was vor allem bedeutet, das kaltes Wasser über den Körper gegossen wird. Hier gilt: Heldentum ist unangemessen! Wenn Sie sich nach einer Viertel Stunde immer noch nicht warm und wohlig in Ihrem Körper fühlen, war die Anwendung zu lange, zu kalt oder unangemessen ausgewählt. Wichtig: Viele Anwendungen sind nur etwas für gesunde, kreislaufstabile Menschen. Wenn Sie also an einer Erkrankung leiden oder Beschwerden (zum Beispiel Krampfadern, allgemeine Befindlichkeitsstörungen) haben, ist eine Absprache mit Ihrem Arzt vor den Anwendungen unbedingt nötig.

Schöne Haut

Kneipp legte als Seelsorger keinen Wert auf Äußeres, so auch nicht auf eine schöne Haut. Doch regelmäßige Güsse durchbluten die Haut gut und machen sie rosig. Vorsicht: Sie helfen auch, den Verbrauch von Kosmetika einzustellen. Denn durch regelmäßige Verwendung von Hautcremes stellen die Fettdrüsen in der Haut ihre Arbeit ein. Wer sich also schon immer eingecremt hat, braucht Geduld und muss die „trockene“ Haut eine Weile ertragen. Doch beginnt die Haut wieder mit ihrer eigenen Fettbildung um, wird sie geschmeidiger als durch jedes Kosmetikum.

Wer gesund ist, kann sich aus der breiten Palette der Anwendungen etwas Passendes aussuchen. Bücher helfen über Unsicherheiten hinweg. Außerdem zeigen Fotos oder Zeichnungen, wie zum Beispiel der Wasserstrahl bei Güssen über den Körper laufen soll oder Tücher bei Wickeln anzulegen sind. Die Bücher sind dann hilfreich, wenn strukturierte, genaue Anweisungen enthalten. Außerdem sollten sie Hinweise liefern wer, wann welche Anwendungen durchführen darf und wer nicht. So ausgestattet, steht der heimischen Kureinrichtung nichts mehr im Wege.

Die Tasse Kaffee des Kneippianer’s

Ein Muntermacher zu jeder Tageszeit ist das kalte Armbad. Es hilft gegen Müdigkeitserscheinungen und Leistungsabfall. Dazu genügt ein einfaches Waschbecken. Es wird mit kaltem Wasser gefüllt. Dann wird zuerst der rechte dann der linke Arm so weit wie möglich eingetaucht. Dann werden beide Arme etwa 10 und 30 Sekunden im Wasser gelassen. Anschließend werden die Arme nicht abgetrocknet, sondern nur abgestreift. Wichtig: Leichte Bewegungen machen bis die Arme wirklich wieder warm sind.

Heilpflanzen

Kneippsche Devisen: „Vorbeugen sollt ihr durch diese Kräuter, das Übel nicht groß werden lassen“ oder „Für jede Krankheit ist mindestens ein Kraut gewachsen“. Er beführwortete den Einsatz heimischer, traditioneller Heilpflanzen und Kräuter. Kneipp verordete sie als Tees, Salben, Extrakte, Badezusätze oder auch als Tabletten. Ein kleiner Ausschnitt: Er empfahl zur Entwässerung des Körpers Birkenblätter- oder Brennnesseltee. Bei Völlegefühl Wacholder und Rosmarin, Arnika ließ er gegen Verletzungen, Verstauchungen, Schwellungen einsetzen. Erkältungen wurden mit Thymian und Spitzwegerich oder Fieber mit Holunderblüten- oder Lindenblütentee kuriert.

Buchempfehlungen

    Autor/In: Marion Kaden, Natur & Heilen (2009)